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#68 Die Akte Steinbock – Als politischer Gefangener der Stasi

Shownotes

“Die (Gerichts-)Sitzung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es wurden keine Zeugen gehört und als Beweismittel dienten einzig und allein die von der Stasi erarbeiteten Protokolle.”

In der heutigen Folge geht es um die Strafverfolgung in der DDR und die willkürlichen Ermittlungsmethoden der Stasi. Mehrere Männer sitzen 1968 in ihrer Stammkneipe in Steinbach und betrinken sich, als ortsfremde SED-Mitglieder die Kneipe betreten. Im Laufe des Abends und mit steigendem Pegel werden Feindseligkeiten ausgetauscht, die vonseiten der Steinbacher auch regimefeindliche Züge annehmen. Gerald Rilk und Werner Iffert, welche bereits zuvor wegen Wilderei und illegalem Waffenbesitzes im Visier der Stasi waren, werden am nächsten Morgen verhaftet und als politische Gefangene gehalten. Der Vorwurf lautet nun Terrorismus und Planung eines Anschlags auf SED-Chef Walter Ulbricht, da an dem Stammtisch in Steinbach zuvor auch gesagt wurde, man müsse ihn erschießen. Mehrere Jahre werden die Steinbacher nun in Haft täglich verhört, bis sie erpresste Geständnisse abgeben, die von der Stasi konstruiert wurden. Vor Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden sie teilweise zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, einzig auf Grundlage der Verhöre. Wie schlimm die Stasispitzelei selbst innerhalb Familien war und wie schnell man in das Fadenkreuz der Stasi kommen konnte, darüber reden wir in dieser Folge.

Neue Folgen aus dem Archiv gibt es alle 14 Tage am Dienstag hier und überall wo es Podcasts gibt.

Bei Podimo gibt es schon über 200 Folgen mit Maximilian Pollux und Claudia Kamieth. Wir sprechen über “Psychopathen”, “Serienmörder”, dann aber auch mal eine Staffel lang über “Sekten” oder “Verbrechen im Wahn”.

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Transkript anzeigen

00:00:01: Pollux.

00:00:02: Unschuldig im Knast.

00:00:04: Der True Criminal Podcast

00:00:05: mit Maximilian

00:00:06: Pollux und Claudia Kamid.

00:00:08: Und eine Warnung vorweg.

00:00:10: In diesem Podcast wird die Ausübung von Gewalt explizit geschildert.

00:00:15: Hallo, Claudi.

00:00:17: Hallo.

00:00:18: Wir haben jetzt über vermientes Gebiet geredet, fünf Minuten lang über wie sollten Männer, Frauen ansprechen?

00:00:23: Ja, auch vorher schon, haben wir schon deine Beziehung besprochen.

00:00:26: Meine Dating-Erfahrungen gerade wieder.

00:00:29: Deswegen

00:00:29: gibt es jetzt nur einen Anfang.

00:00:30: Ich bin ein gebrochener Mann.

00:00:32: Wieso?

00:00:34: Ich weiß nicht mehr, wie ich mich verhalten soll.

00:00:37: Komm schon mal, du

00:00:39: bist

00:00:39: Opfer, Maximi am

00:00:40: Polo.

00:00:40: Maximi am Polo.

00:00:41: Woller einfach mal zu Hause.

00:00:44: Einer auf den Deckel kriegt.

00:00:45: Weil

00:00:45: er sich nicht... Weil er einfach mal zu Hause nicht

00:00:47: macht.

00:00:48: Deshalb

00:00:48: kriegst du auf den Deckel.

00:00:49: Zu Recht.

00:00:50: Ja, wenn jemand sagt zu... Schatz, wie machen wir das am Wochenende?

00:00:54: Weil meine Schwester kommt jetzt.

00:00:55: Seit sieben Jahren das erste Mal kommt meine Schwester nach Deutschland.

00:00:58: Und du machst...

00:00:59: Nein, und dann heißt du, was essen wir am Samstag und dich machen.

00:01:05: Und das ist echt scheiße von mir.

00:01:06: Ja.

00:01:07: Das war richtig kacke.

00:01:08: Voll.

00:01:08: Weil sie es schön machen möchte.

00:01:10: Sie will es schön machen.

00:01:11: Und wieso kann ich mich nicht kurz involvieren?

00:01:12: Ja, weiß

00:01:13: ich nicht warum.

00:01:13: Nur

00:01:13: weil es nicht um meine Arbeit geht oder irgendwelche Comics.

00:01:16: Ja.

00:01:17: Das sind die zwei Sachen, der mich interessiert.

00:01:19: Was

00:01:20: ist los mit dir, ey?

00:01:21: Lass dich nicht so gehen.

00:01:22: Ich

00:01:22: will mich mehr involvieren.

00:01:23: Ja.

00:01:25: Auch mal einen anderen Sachen Interesse haben.

00:01:27: Ja und von selber.

00:01:28: Wie wär's denn damit?

00:01:28: Nicht nur nicht mit den Augenräumen, sondern von selber.

00:01:30: Der ist ja auch deine Schwester.

00:01:32: Müsstest du dich aber eigentlich...

00:01:32: Ich gehe halt mit der Essen, Alter.

00:01:34: Bestellt's Essen?

00:01:35: Ich bestelle

00:01:36: was, hier bei Biking.

00:01:39: Ich hab bei Biking nicht gegessen.

00:01:40: Ey, ich ess doch nicht.

00:01:43: Ja, also, werd mal ein besserer Ehemann.

00:01:45: Ich versuch's

00:01:45: ja.

00:01:46: Nein, jetzt hab ich's schon wieder

00:01:50: gemacht.

00:01:50: Oh Gott, jetzt hab ich's von ganzem Herzen gemacht.

00:01:54: Das ist

00:01:54: ja wirklich schlimm.

00:01:55: Nein, ich will mir mehr Mühe geben, ein besserer Typ zu sein.

00:02:00: Und wir fangen damit an, dass wir heute ein Thema behandeln.

00:02:05: Ich könnt doch alle drei Minuten immer.

00:02:08: Du machst das hier

00:02:09: voll oft, du machst das während der Arbeit, während ich mein Hardcore durchgeabte, das Skript rollst du mit den Augen, dass ich es höre und manchmal gänzt du sogar.

00:02:19: Du gänzt hier.

00:02:21: Und dann kommt er jetzt mal zum Punkt.

00:02:23: Dann

00:02:24: liegt es daran, dass wir hier in einem Raum sind, der zweimal vier Quadratmeter ist und irgendwann die Luft alle ist.

00:02:30: und ich irgendwann müde werde.

00:02:31: Aber das heißt nicht, dass ich nicht interessiert bin oder dass es langweilig ist, was du erzählt

00:02:35: hast.

00:02:35: Das ist eine normale menschliche Regung, mein Freund.

00:02:39: Okay, okay.

00:02:40: Also, pass auf.

00:02:42: Ich war gestern in Erfurt und vorgestern auch, und zwar war ich in Erfurt im Stasi-Gefänden, das ist in Andreas Straße.

00:02:47: Habe ich gesehen.

00:02:48: Habe ich gesehen aus, das ist Robbys.

00:02:50: Und das ist ja witzig.

00:02:51: Da

00:02:51: trist aus.

00:02:52: Das ist auch so ein Trist.

00:02:53: Und es ist ja witzig, weil wir uns heute mit einem Fall beschäftigen, der in der DDR spielt.

00:02:59: Ich bin nicht geboren.

00:03:00: Da bist du geboren?

00:03:01: Ja.

00:03:01: Krass.

00:03:02: Da war ich natürlich ganz pippi klein noch, aber...

00:03:04: Man war missengeboren.

00:03:05: Das sag ich nicht.

00:03:06: Also, okay, achtundsiebzig.

00:03:10: Ja, achtundsiebzig, das war eine

00:03:11: gute

00:03:12: Zeit.

00:03:13: Das merkt man.

00:03:14: Und der Fall ist dadurch auch ein bisschen was anderes.

00:03:17: Also wir reißen tatsächlich, du hast richtig gesagt, ins Jahr neunzehntundsechzig und zwar nach Steinbach, das ist ein kleines Dorf im Süden Thüringen.

00:03:25: Und die Lage des Dorfes ist auch wichtig, denn in der Nähe liegt das Staatssanatorium in Bad Liebenstein und dort haben die Spitzenfunktionäre der DDR gekurrt.

00:03:34: Die haben sich erholt so.

00:03:36: Sogar Walter Ulrich selbst hat dort die guten Luft bei ausgedehnten Spaziergeln im Thüringer Wald genossen und das ist wirklich wichtig.

00:03:44: Ist ja auch schöner.

00:03:44: Ist auch schön dort.

00:03:46: Und hier... Aus diesem Grund, aber aus diesem so schönen Ursprung irgendwie erwächst einer der größten Ermittlungen der DDR Geschichte.

00:03:56: Und am Ende steht eben ein geheimer Prozess gegen vier mutmaßliche Verschwörer.

00:04:01: Wir sprechen heute von der Akte.

00:04:04: Ich habe lange darüber überlegt, ob ich so einen Fall jetzt reinhole, ob das Leute interessiert, ob das interessant ist.

00:04:09: Und ich habe mich so ein bisschen auf eine Sache fokussiert, nämlich wie wurde gearbeitet von der Stasi.

00:04:17: Keine Angst, wenn ihr jetzt sagt, Star wie?

00:04:19: Was ist das?

00:04:20: Wie erklär'n's?

00:04:21: Wie du guckst.

00:04:22: Star wie?

00:04:22: Was soll das sein?

00:04:23: Anstatt

00:04:23: Star sie, Star wie?

00:04:24: Was ist denn das?

00:04:25: So, weißt du?

00:04:27: War kein guter Geld.

00:04:29: Ah, da geht's mal wieder los.

00:04:30: Und da geh ich mir so viel Mühe.

00:04:31: Ich

00:04:32: glaub die meisten wissen, was die Stasi ist.

00:04:34: Oder vielleicht weiß nur ich das mal.

00:04:36: Hör mal zu.

00:04:36: Ich frag hier nur.

00:04:37: Jetzt,

00:04:37: pass auf, jetzt.

00:04:38: Das ist eine

00:04:38: Frage.

00:04:39: Kannst

00:04:39: du nicht so agro-reagieren?

00:04:40: Ich

00:04:41: reagiere nicht agro, sondern jetzt sage ich dir mal, wie es ist.

00:04:44: Ja, danke.

00:04:44: Hashtag mansplaining.

00:04:46: Nee, Hashtag, du bist altundsechzig geboren.

00:04:48: Das passt mal auf.

00:04:49: Ich folge eine... Tiktokerin, die auch auf Insta voll stark ist, die haben so vier Millionen auf Insta oder so.

00:04:55: Und ist sehr jung.

00:04:56: Und bei der war ich mal bei dem Podcast.

00:04:58: Und die war vor kurzem in New York.

00:05:00: Und dann stand die am Ground Zero.

00:05:03: Und dann ging's los.

00:05:04: Also, hier standen früher mal zwei Türme.

00:05:08: Und in diese zwei Türme sind zwei Flugzeuge gestört.

00:05:11: Wahnsinn, kann man sich gar nicht vorstellen.

00:05:13: Warum?

00:05:14: Weil die lange nach Jahrzehnten geboren ist.

00:05:17: Für die ist es nicht irgendwie das Weißmann, nicht zwingend.

00:05:21: Also glaub mir, hier hören Leute zu, die nicht wissen, was die Stasi ist.

00:05:25: Okay.

00:05:25: Weil wir sind einfach alt.

00:05:28: Für mich ist das so ein großer Teil der deutschen Geschichte und deshalb finde ich, dass es so wie wenn du Rappers musst, so wissen wer Tupac und Biggie ist und wenn du in Deutschland wohnst, solltest du wissen, was die Stasi ist.

00:05:40: Wuteng können auch viele nicht mehr.

00:05:42: Ich schwörst dir.

00:05:43: Ich schwörst dir.

00:05:44: Also ihr Lieben, könnt ihr mal schreiben, weil wir wussten, was die Stasis ist.

00:05:47: Auf jeden Fall danke an Jörg Kunkel, der hat mich mit seinem Buch Justiz-Ürtümer auf diesen Fall aufmerksam gemacht und Props, wo Props gebühren.

00:05:54: Und wie du aus unserem Staffeltitel ja schon schließen kannst, vermute ich, dass die Beteiligten vielleicht unschuldig sein könnten.

00:06:01: Wie gesagt, es geht um die DDR Justiz.

00:06:03: Für mich super.

00:06:05: Interessant, weil ich ja jetzt auch noch in Erfurt war.

00:06:07: Ich baute ein bisschen was in die Folge heute ein, was ich erst in den letzten zwei Tagen gelernt habe.

00:06:11: Ich meine, wir wissen heute, dass es sich bei der DDR in weiten Teilen um ein Unrechtssystem handelte.

00:06:18: Du hast gerade gesagt, du bist dort geboren.

00:06:21: Was für Empfindungen hast du?

00:06:23: Zur DDR oder Stasi?

00:06:24: Zur DDR.

00:06:26: Also das erste, was mir einfällt, ist zum Beispiel, dass nachdem die Mauer gefallen ist, schon zehn Jahre nachdem sie gefallen war, oder wahrscheinlich schon länger, Mein Vater am Brandenburger Tor stand und in dem Moment, als er da einfach nur ausgestiegen ist aus dem Auto, er angefangen hat bitterlich zu weinen, weil ihn das so überkommen ist, weil er sich so eingesperrt gefühlt hat.

00:06:46: Der nächste Gedanke, der mir kommt, ist mein Vater war Musiker, der durfte keine eigenen Songtexte schreiben, weil schon einfach nur wenn er geschrieben hat, da fliegt ein Vogel, gen Himmel, wurde das schon damals, so muss das alle Songtexte immer gegenchecken lassen.

00:07:02: Und das galt dann schon als vielleicht irgendwie Fluchtversuch im Kopf oder als Anstachin zum Fluchtversuch und deshalb ging das auch nicht.

00:07:09: Tatsächlich, für mich ist es auch, ich wohne ja sehr nah an dieser gedenkstete Berliner Mauer, wo man vom Westen in Osten geht und immer... wenn ich über diese, man sieht richtig wo, da der Grenzstreifen ist.

00:07:18: Darüber gehe, ist es für mich jedes Mal, wenn ich da langlaufe und ich gehe da aufgelangt, jedes Mal für mich was Besonderes, weil ich mir bewusst bin, was für ein Privileg ist, dass ich auf die andere Seite gehen darf.

00:07:29: Und ja, zur Stasi habe ich auch noch eine Geschichte, aber vielleicht erzähle ich die lieber später.

00:07:32: Da kommt noch eine Stelle.

00:07:34: Ich habe, mir ging es so ein bisschen um das, auch noch um, hast du ein Gefühl, wie du es als Kinderlebt hast, was kann eigentlich alles scheißgewinst sein?

00:07:41: Ich war noch viel

00:07:42: zu viel.

00:07:42: Du hast überhaupt keinen Unterstand?

00:07:44: Meine einzige Erinnerung ist, dass irgendwann die Mauer gefallen ist.

00:07:48: Und ich zum einen, das erste Mal weiß ich noch, wie ich in einem Supermarkt stand, aber da war ich noch so klein.

00:07:54: Und ich weiß nur, dass es unfassbar war, wie viel bunte Farben das gab.

00:07:58: Und ich weiß noch, als ich das erste Mal an einer Barbie gerochen habe.

00:08:01: Also meine Cousine hatte irgendwann eine Barbie.

00:08:03: Ich hatte noch keinen, aber ich war noch zu klein.

00:08:05: Und dann hab ich die Barbie genommen und hab an den Beinen gerochen.

00:08:08: Die riechen so nach Gummi.

00:08:08: Und das war für mich, dass ich das erste Mal gedacht hab, so riecht Westen.

00:08:12: Krass.

00:08:13: Für mich riecht Westen nach den Beinen von einer Barbie.

00:08:17: Aber ja.

00:08:17: Ich bin froh,

00:08:18: dass ich jetzt nicht weiß, wie Barbie Beine riechen.

00:08:21: Sonst wär ich super creepy.

00:08:23: Ich hab jetzt kurz überlegt, aber ich hab den Geruch nicht.

00:08:26: Ich glaub, die meisten haben sich einfach wirklich eingesperrt geführt.

00:08:29: Es gab schon noch positive Sachen.

00:08:30: Ich will das nicht immer verteufeln.

00:08:32: Die Frauen haben schon frühgearbeitet, die waren alle sehr emanzipiert.

00:08:36: Ich fand, es gab teilweise auch eine gute Absicherung.

00:08:39: Ich fand jetzt nicht alles, wir hatten Kindergartensysteme.

00:08:44: Es war nicht alles schlecht, aber ich glaube, es ist eigentlich ein Gefängnis gewesen.

00:08:49: Für mich war die Recherche wirklich spannend.

00:08:51: Also ich habe mich eigentlich so privat, hatte ich mich immer mehr mit dem politischen Gegner des Kommunismus beschäftigt und eben auch diesen Schau-Prozessen der Nazis, also wie die das gemacht haben.

00:09:01: Und da werden wir auch mal einen Fall hier auf jeden Fall mal haben, so Freißler, Richter Freißler, das war so ein Richter, der die Leute zusammen gebrüllt hat, vorher gesagt, die sind ein.

00:09:10: Und dann hat er die Leute so krass angeschrieben und es hat mich... Ich habe mich dann mal gefragt, wie die Leute nicht sehen können, wie böse das ist, was vorher in Augen hier passiert.

00:09:19: Und ich beschwer mich ja auch hier immer viel über die Justiz und die Abläufe, die es bei uns heute gibt.

00:09:26: Aber Diktaturen

00:09:27: oder eben ein Parteienstaaten sind nochmal was ganz ganz anderes.

00:09:33: Was ich nicht wusste, ist, wie Prozesse in der DDR geführt wurden.

00:09:36: Und dass man nach der Zeit des stalinistischen Terrors, also in den ersten Jahren so, da hat man auch noch, Stalin hat es ja auch gemacht, so dieses Vorführen hingestellt, die Leute zusammenschreien lassen, verurteilen lassen, weg.

00:09:47: Die DDR hat es dann anders gemacht.

00:09:49: Dort hat man im Geheimen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt.

00:09:53: In der Gedenkstätte jetzt in Andreasstrasse in Erfurt haben die mir erzählt, es gab hin und wieder mal ausgewählte Schulklassen, die solchen Prozessen dann beiwohnen durften, dann hat man es denen gezeigt.

00:10:02: Nur einer kleinen Klasse, aber nicht der Presse, nicht der Öffentlichkeit.

00:10:05: Also man hat das auch nicht aufgenommen oder so.

00:10:07: Eine ganz andere Herangehensweise.

00:10:09: Und auch der Unterschied, dass die DDR Justiz sich nicht als unabhängige Instanz zieht oder so, sondern die Justiz war der Partei verpflichtet.

00:10:20: Und man hat sich freiwillig so zum Vollstrecker gemacht.

00:10:24: Man nannte das eine Erziehungstiktatur.

00:10:27: Die Gesellschaft sollte nach diesem... Vorstellungen nach diesen Ideologien erzogen werden.

00:10:33: Und es ging darum auch über die Jahre, über die Zeit, so eine gesellschaftliche Entwicklung zu erzwingen.

00:10:39: Also wir wollen die alle so haben.

00:10:42: Ja, Entwicklungen, Anführungsstrichen, aber auch nur so wie die das wollten.

00:10:47: So wie es die Partei festlegt.

00:10:49: Fertig.

00:10:50: Und für jemand wie mich, der gerne eigenständig denkt, ist das...

00:10:53: Ja, das war das Gegenbeispiel.

00:10:55: Ein Alptraum.

00:10:56: Das ist eine albtraumhafte Vorstellung.

00:10:58: Problem mit Autoritäten?

00:11:01: Ja, vor allem mit Autoritäten, die ich nicht kenne.

00:11:03: Wenn es jetzt jemand ist und ich kenne ihn und der sagt mir...

00:11:06: Aber könntest du unter mir arbeiten und ich gebe dir so Anweisungen, was du zu tun hast, was heute deine Tagesaufgabe

00:11:12: ist?

00:11:12: Wenn ich zu dir zu Radio komme, werde ich dir nicht erzählen, wie wir Radio machen.

00:11:18: So, ne?

00:11:18: Das ist so ein bisschen das.

00:11:19: Also es kommt aus Fachgebieten.

00:11:20: Ah

00:11:20: ja, okay, verstehe.

00:11:22: Also...

00:11:24: Wie der Scheik dir gerade im Nacken sitzt.

00:11:26: Du willst irgendwas sagen, aber du trafst dich nicht.

00:11:28: Ich sehe es.

00:11:30: Du wolltest so was sagen wie, da gibt es halt sehr wenig Gebiete wo du mir was erzählen kannst oder erklären kannst.

00:11:34: Nein,

00:11:34: ich kann es nicht sagen.

00:11:37: Sex oder was?

00:11:38: Nein!

00:11:39: Ich wollte sagen wenn es jetzt ums Menstruieren geht würde ich dich fragen.

00:11:43: Nein Schmarrn, das war echt schwach.

00:11:45: Aber alles wo du halt mehr Ahnung hast warum soll ich dann...

00:11:48: Sag mal fünf Sachen, wo ich mir Ahnung habe.

00:11:50: Ja, siehst du,

00:11:52: ich wusste es.

00:11:53: Und jetzt zählt nicht so was, was Frauen sein, zählt nicht.

00:11:57: DJ-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip, wie heißen das?

00:12:01: Musik.

00:12:01: Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-Hip-.

00:12:17: Radio?

00:12:18: Radio, auch deine Arbeit beim Radio.

00:12:22: Autofahren.

00:12:23: Du fährst wie ein Rennfahrer.

00:12:24: Du kannst aber auch gar nicht Autofahren.

00:12:26: Ja, aber da würde ich dir auch nicht reinreden wollen.

00:12:29: Das stimmt ja nur nicht.

00:12:31: Wir haben ja im Podcast schon öfter darüber geredet, wenn du dich lustig machst, dass ich einen Wendekreis nicht exakt so treffe wie du.

00:12:38: Das ist ein

00:12:40: Feuerwehrautokand am Wänden und

00:12:43: wir sind in dem Wartstein mit.

00:12:44: Du kannst irgendwie einen Dreirad lenken, aber große Fresse.

00:12:47: Und das Fünfte?

00:12:48: Das war nur schon... Das

00:12:49: war vier.

00:12:50: Ja, keine Ahnung.

00:12:53: Auch... Oh, ich habe noch was.

00:12:54: Ich finde auch, dass du zwischenmenschlich, wenn es jetzt darum geht, weniger abzuleiten bist du auch, bist du auch stark.

00:13:00: Danke.

00:13:02: Danke.

00:13:02: Das ist mir jetzt nötig, oder was?

00:13:04: Ach, okay.

00:13:05: Also... Du bist ja schlimmer als die Stasi.

00:13:10: Also was dafür nötig ist, die Leute auf die Spur zu bringen, wird getan.

00:13:14: Und die Urteile, die die Gerichte damals fällen, haben, und das fand ich auch interessant, die haben in den politischen Prozessen nichts mit den Personen eigentlich zu tun.

00:13:22: Es geht jetzt nicht um den Einzelnen, sondern es geht darum, was nötig ist, das Volk auf Linie zu bringen.

00:13:30: Der Einzelne ist eigentlich austauschbar.

00:13:32: Das ist nicht so... Hier zum Beispiel, du kriegst deinen Urteil, die wollen dich.

00:13:37: Das hat mit dir zu tun.

00:13:39: Dort war es eher so, das musste eine Message senden.

00:13:42: Das musste was passieren, um dich rum.

00:13:45: Und das ist sehr, sehr beängstigend.

00:13:46: Sehr, sehr, sehr beängstigend.

00:13:48: Weil schon in unserem Gericht fühlt sich es irgendwie so an, als würdest du von einer Meter hohen Welle weggeklatscht werden.

00:13:56: Du verlierst jegliche Kontrolle.

00:13:58: Und man hat, wenn du vor Gericht landest, sogar hier hast du das Gefühl, du hast es mit einer... Man mit einer unsichtbaren Macht zu tun.

00:14:06: Eine gesichtslosen... Du kennst die Leute ja alle nicht, die dir hier schreiben und die gegendig sind und die das machen so.

00:14:11: Und man kann sich nicht wehren.

00:14:12: Und in der DDR wurde das... Also dieser Wahnsinn wurde auf die Spitze getrieben und das zu mehr ich mich damit beschäftigt habe, dass du

00:14:19: mehr... Die Willkür war auch besser, oder?

00:14:21: Was heißt Willkür?

00:14:22: Es war ja so... Es gab ja Gesetze.

00:14:25: Wir kommen gleich drauf.

00:14:26: Welche Gesetze, ich meine.

00:14:27: Gib mir noch ne Sekunde so.

00:14:28: Das war so... Ich... Kafka hätte sich gefreut.

00:14:30: So Kafka hätte das gesehen und hätte gesagt, wow.

00:14:32: Wie krass seid ihr denn?

00:14:33: und so?

00:14:34: Wir werden jetzt auf jeden Fall übersprechen, wie die Staatssicherheit, also die Stasi ermittelt und vor allem, wir werden über die Verhörmethoden sprechen.

00:14:41: Und da, glaube ich, wird es für uns alle richtig faszinierend.

00:14:43: Das ist so der Kern dieser Folge.

00:14:46: Noch mal, wer klären ist?

00:14:48: Seid ihr bereit?

00:14:50: Seid ihr bereit für das Theater?

00:14:52: Ja.

00:14:53: Da merkt man, du hast nicht zugehört, als die Propaganda damals gemacht würde, weil die Jungpioniere in der DDR hätten jetzt geantwortet.

00:14:59: Ah,

00:15:00: altzeitbereit?

00:15:01: Immer bereit?

00:15:03: Das Zweitere.

00:15:03: Für Frieden

00:15:04: und Sozialismus.

00:15:05: Seid bereit, immer bereit.

00:15:07: Okay, da war ich aber wirklich... Ich war ja nicht bei den Jungen Pionieren.

00:15:11: Meine Schwester war das noch.

00:15:12: Die ist ja auch viel, viel älter.

00:15:13: Die hatten dann immer so ein komisches Halstuch, so Rotes.

00:15:17: Cool.

00:15:17: Stimmt.

00:15:18: Aber hat man bei euch in der Schule auch gemacht, Sport?

00:15:21: Frei?

00:15:22: Ich weiß nicht, ob das so DDR ging.

00:15:24: Das war bei uns bis zum Abi.

00:15:25: Also der Lehrer kam rein und hat gesagt, Sport und alle, frei!

00:15:30: Warum?

00:15:30: Das weiß ich doch nicht.

00:15:31: Das war halt so.

00:15:32: Oder

00:15:32: hieß es dann, dass man zum Sport durfte oder was?

00:15:34: Nein,

00:15:35: das war einfach wie so ein ... Hi, hi!

00:15:37: Sport, frei.

00:15:38: Ja, das war wie so ein Schlachtruf.

00:15:40: Okay.

00:15:41: Ich weiß aber nicht, ob das so ein DDR-Ding ist oder ... Ich

00:15:43: glaub, das ist eher so ein ... Schul-Ding so.

00:15:45: Nee, das ist ... im Osten können das jeder.

00:15:49: Glaub ich.

00:15:52: Die Schule für die besonderen Kinder war das.

00:15:54: Das war so für die ganz besonderen Kinder.

00:15:59: Ey, die Claudia hat mich gebissen.

00:16:02: Sport, frei,

00:16:03: hopp, hopp, hopp.

00:16:05: So, okay, also.

00:16:06: Und wenn du da hier übrigens an der Stelle auch schon nicht anständig mitgemacht hast, warst du bereits verdächtig.

00:16:12: Und so fängt unser heutiger Fall auch an.

00:16:14: Und es ist also wirklich, ich hätte keine fünf Minuten überlegt.

00:16:18: Aber gucken wir mal.

00:16:19: Also, im Grunde beginnt alles mit bedrunkenden Kommentaren in einer Gaststätte namens Krone.

00:16:25: Und in Steinbach ist da gerade Kirmes.

00:16:28: Kennst du Kirmes?

00:16:29: Ja, ein Rummel.

00:16:29: Ein

00:16:30: Rummel sagst du?

00:16:30: In Nürnberg sagen wir Kerber.

00:16:32: Kerber?

00:16:33: Die Kerber.

00:16:34: Das klingt irgendwie, als ob man was zusammenkehren muss.

00:16:37: Und hier ist es ein Rummel.

00:16:38: Ein

00:16:38: Rummel.

00:16:39: Und da sagen sie Kirmes.

00:16:41: Nachtschränkchen.

00:16:43: Sagst du.

00:16:44: Das ist immer ein eindruckendes Wort.

00:16:46: Nachtschrank, Nachtschränkchen, ja.

00:16:47: Ich bin

00:16:48: ein Nachtkästchen.

00:16:49: Das klingt auch so ein bisschen wie aus dem Porno, muss ich sagen.

00:16:51: Was

00:16:51: hat das?

00:16:52: Das ist dein Gehirn.

00:16:53: Ich

00:16:53: würde gerne mal dein Nachtkästchen.

00:16:59: Lass uns mal weitermachen.

00:17:00: Das ist auch ein beeindruckt.

00:17:01: Kennst du, was das krasseste aller Worte ist?

00:17:04: Da irgendwie, finde ich, Kräppel.

00:17:06: Was ist das?

00:17:07: In der Fall sagt man Kräppel, in Berlin sagt man Pfannkuchen.

00:17:11: Ah,

00:17:11: in Berliner.

00:17:12: In Berliner und in Nürnberg sagen wir Krapfen.

00:17:16: Jeder sagt was anderes.

00:17:18: Das ist wie Eierkuchen.

00:17:19: Eierkuchen,

00:17:20: das

00:17:21: sind Pfannkuchen.

00:17:22: Nee, ein Eierkuchen ist im Osten was anderes.

00:17:24: Was ist das?

00:17:24: Ein Eierkuchen ist ein... Ein

00:17:26: Omelette?

00:17:29: Nee, es ist Teig und ein Mehl und... Ei.

00:17:33: Und dann kannst du darauf so zum... Wie nennt man denn Eierkuchen bei euch?

00:17:37: Ich hab jetzt

00:17:37: gerade...

00:17:37: Ich hab

00:17:38: jetzt gerade kennst du von der Titanic das Kammer.

00:17:41: Zonen, Zonen, Claudie.

00:17:44: Mit ihrer Erste.

00:17:44: Ah ja, doch, das erinnert das Pfannkuchen.

00:17:46: Stimmt.

00:17:46: Bei uns sind ja aber Pfannkuchen Berliner.

00:17:48: Genau.

00:17:49: Ja, das ist so was.

00:17:50: Okay, ist ja gut jetzt.

00:17:51: Also das war sehr interessant.

00:17:52: Ich glaube, die Leute haben richtig Spaß.

00:17:55: Auf jeden Fall sind auf der Kirmes auch nicht... Schau, da wollen wir die mal zählen.

00:17:59: So ein Count einmal, wie oft du mich...

00:18:01: Ich mach das ja mit Absicht.

00:18:05: Auf jeden Fall sind wegen der Kirmes, oder... Rummel?

00:18:07: ...wiegen dem Rummel auch nicht einheimische Insteine unterwegs.

00:18:11: Und einige von denen haben so dieses SED-Partei Zeichen so am Reverb.

00:18:15: Und... Vielleicht müssen wir das jetzt ganz kurz erklären, was wer sich mit der DDR nicht so gut auskennt.

00:18:20: Die SED war die sozialistische Einheitspartei Deutschlands.

00:18:23: Ja.

00:18:24: Genau.

00:18:24: Sie war die Staatspartei der DDR und ihr Ziel war es so, einen Arbeiter- und Bauernstaat nach, okay, Marxistisch-Leninistischen Idealen zu lenken.

00:18:33: Es gab andere Parteien in der DDR.

00:18:35: Das fand ich, das habe ich immer nicht verstanden, weil sie die deutsche demokratische Republik, also muss ja irgendwie Demokratie geben.

00:18:40: Und die war aber nur vorgeschoben.

00:18:42: Ja, das war nur ein Wort.

00:18:43: Genau.

00:18:43: Und diese anderen Parteien, die... Gab's nur damit du halt so tun kannst, als hattest du Wahlen.

00:18:49: Die SED waren also die Bosse.

00:18:52: Das war die führende Partei.

00:18:55: Und als jetzt also die Fremden im Gasthaus Kronen so stolz mit ihrem SED-Parteiabzeichen einlaufen und dort halt auch irgendwie so stolz die Mitgliedschaft verkünden, dass du bis offener sie werden, werden plötzlich mit dem dort einheimischen Stammtisch Feindseligkeiten ausgetauscht.

00:19:11: Also es beginnt irgendwie so die neuen, also die, die reinkommen, die SED-ler nennen die Steinbacher so eine Bande von Saufbrüdern.

00:19:18: Und die schimpfen zurück.

00:19:20: Und besonders der siebenund dreißigjährige Werkzeugmacher Gerald Rilke und der vierundvierzigjährige Messerschmied Werner Iffert.

00:19:28: Das sind die zwei, die sich am meisten hervortun, weil der eine zischt ihr kommunisten Säue.

00:19:34: Und der andere formt sogar die Finger zu einer Pistole und sagt, hier gibt es nur Deutsche.

00:19:40: Kommunisten und andere Verräter werden erschossen.

00:19:43: Und das ist natürlich schon ein starkes Statement irgendwie, aber man muss auch sehen, Rummelzeit besorgen in einem Rathaus wäre schlecht, in einer Kneipe.

00:19:56: Aber den Neuankömmlingen reicht's.

00:19:58: Die Verlassen ist lokal, mehr noch, sie verlassen Steinbach, um im nahegelegenen Bad Liebenstein eine Anzeige gegen Rilg und Irffert zu machen.

00:20:07: Und... Gegen Unbekannterne, oder was?

00:20:09: Nein,

00:20:09: nein, die haben gesagt, da sind zwei Typen in der Kneipe.

00:20:12: Weiß jetzt nicht, ob es den Namen, aber das ist dann halt kein großes Problem.

00:20:14: Das klingt ja, wenn man weit fährt und dann macht man die Anzeige, als ob das jetzt dann schon eine Stunde her ist.

00:20:17: Bad

00:20:17: Liebenstein ist nicht weit, das ist tatsächlich, ich würde mal sagen, ich habe extra geguckt auf der Karte, da ist nämlich dieser Kurort und da waren die wahrscheinlich auch auf Kur und sind dann halt... Lass es zwanzig Minuten Fußweg sein, fünfzehn Minuten.

00:20:27: Und schon am nächsten Morgen, um sechs Uhr früh, werden die beiden wegen staatsfeindlicher Hetze verhaftet.

00:20:34: Da sind die immer noch in der Kneipe?

00:20:36: Nee, die waren zu Hause wahrscheinlich wieder.

00:20:37: Ach so, aber woher wussten sie denn die Namen?

00:20:39: Das check ich bis jetzt nicht.

00:20:40: Also ich glaube, das ist nicht schwer, die Namen in der Kneipe rauszufinden, aber dass sie wirklich so schnell verhaftet wurden, dafür gab es einen Grund.

00:20:46: Man hat hinter den Kulissen bereits in Steinbach ermittelt.

00:20:51: Also es gab ein breites informanter Netzwerk in der DDR.

00:20:54: Das ist auch was Besonderes.

00:20:57: Und die hatten schon längeren auf Steinbach aufmerksam gemacht.

00:21:00: Es soll dort mehrere Waffendepots geben.

00:21:02: Und Rilke und Iffert, also tatsächlich diese zwei Namen auch schon wieder, sollen gemeingefährliche Wilderer sein.

00:21:11: Da war schon im Hintergrund lief schon was.

00:21:14: Und woher diese Infos kommen?

00:21:16: Kurzes Side Story dazu.

00:21:18: Wie das in der DDR ablief.

00:21:19: Um noch einmal genau zu zeigen, was damals los war.

00:21:22: Denn ich glaube, besonders die jüngere Generation hat keine Ahnung mehr davon, wie durch Seucht die Bevölkerung damals von Den Onzeanten und Verrätern am eigenen Nachbarn wirklich war.

00:21:31: Rote Socken nannte man die.

00:21:33: Rote

00:21:33: Socken nannte man die, aber auch nur hinter vorgehaltener Hand.

00:21:36: Ja, ja.

00:21:37: Aber trotzdem, es waren rote Socken.

00:21:39: Es gab damals nämlich die sogenannten EMS.

00:21:42: Das waren die inoffiziellen Mitarbeiter.

00:21:45: Und das waren Personen, die dem Ministerium für Staatssicherheit, also der Stasi-Informationen lieferten, ohne aber bei der Behörde angestellt zu sein.

00:21:53: Also, die hatten keinen festen Arbeitsvertrag.

00:21:56: Und am Ende, und das ist eine krasse Zahl, gab es in der DDR rund onehundertneunundachtzigtausend inoffizielle Mitarbeiter.

00:22:05: Aber

00:22:05: man nannte die Stasi-Spitze.

00:22:06: Stasi-Spitze.

00:22:08: Überleg mal.

00:22:09: Hundertneunzigtausend Menschen.

00:22:12: die gleichzeitig jetzt tätig sind, um ihren Nachbarn auszuspähen.

00:22:16: Ja, mich wundert das nicht.

00:22:17: Plus irgendwie noch mal die zweihunderttausend, die da eh schon arbeiten.

00:22:21: Also man deckte alle gesellschaftlichen Bereiche ab.

00:22:23: Und das Krasse ist, man weiß leider heute, dass die wenigsten wirklich gezwungen oder bezahlt wurden.

00:22:30: Man hatte die Leute so manipuliert, dass die meisten EMS das freiwillig getan haben.

00:22:36: Und das ist was, was ich mir, ich dachte mal, okay, gut, du hast halt gegen jeden Druckmittel oder so, aber wirklich ... Die meisten EMS waren freiwillig aktiv.

00:22:44: Und besonders im Umfeld von sogenannten feindlich negativen Personen, auch Desverding, das ist eine feindlich negative Person.

00:22:52: Aber es wurde fast, also es wurde ein Gefühl fast alle so irgendwie ausgespitzelt, dass der jetzt denkt man irgendwie, man muss da was Besonderes für gemacht haben, das musste man nicht.

00:22:59: Musste man nicht.

00:23:00: Es gehörte nicht viel dazu, eine feindlich negative Person zu werden.

00:23:04: Also alle, die der Partei irgendwie kritisch gegenüberstanden, in deren Umfeld wurden verstärkt EMS rekrutiert.

00:23:10: Nachbarn.

00:23:10: Freunde, Verwandte.

00:23:12: Es war ganz, ganz fürchterlich.

00:23:14: Ich meine, du hast selber, du hast jetzt gerade gesagt, also hast du selber sowas auch erlebt?

00:23:17: Hast du da irgendwie...

00:23:19: Ich als ich auch in der... Nee, aber tatsächlich, meine Oma, die hatte immer eine sehr, sehr, sehr gute Freundin.

00:23:28: Und die waren damals eng befreundet und dann auch später, also keine Ahnung, jetzt auch noch sagen wir mal, ich würde sagen, so in dem Jahr zwei Tausend zwei haben die noch so sogar zusammen gewohnt, weil die hat den Haus und sie hat oben im Haus gewohnt.

00:23:40: Und das heißt, sie haben ein super, super viel Kontakt.

00:23:43: Und irgendwann hat meine Oma ihren Ex-Mann auf der Straße getroffen und der meinte so zu ihr, dass du mit der Redes, die hatte ich ausspioniert zur DDR-Zeiten.

00:23:52: Und meine Oma konnte es nicht fassen und hat sich dann ihre Akte, glaub ich, sogar auch geben lassen.

00:23:57: Und das muss man sich mal reinziehen.

00:23:59: Also ihr alle habt einen besten Freund, eine beste Freundin.

00:24:02: Und alles, was so dieser Person im Vertrauen erzählt hast, irgendwie, ja auch persönliche Sachen, da standen ja jetzt nicht nur irgendwelche Sachen in diesen Akten, die man erzählt hat.

00:24:11: Keine Ahnung, dass man die Partei, die SED oder so do fand oder dass man vielleicht irgendwie flüchten will.

00:24:15: Sondern da standen ja Mini-Kleinigkeiten drin, private Sachen, Streits, keine Ahnung, einfach alles.

00:24:21: Und diese beste, in Anführungsstrichen, beste Freundin hat meine Oma ausspioniert.

00:24:26: Also, das ist so ein krasser Vertrauensbruch.

00:24:29: Mein Oma kann da bis heute nicht wirklich darüber reden, weil sie das nicht verarbeiten konnte, wie sie so viele Jahre das auch nicht sehen konnte und das nicht.

00:24:36: Ja, das ist so ein krasser Verrat.

00:24:38: Hat sie sie jemals angesprochen?

00:24:40: Weißt du das?

00:24:41: Ja, hat sie, aber die hat dann einfach nichts dazu gesagt, sie hat sich einfach stumm gestellt, dass sie meine Oma ist dann ausgezogen und hat sie danach darauf angesprochen und da hat sie dann nichts mehr dazu gesagt, hat das so halb eher abgestritten, aber hat sich eher so steif gemacht, so wie so eine Starre.

00:24:59: Also genau auf die Art kam es auch über die Infos, über diese wildere Aktivitäten in Steinbach.

00:25:05: und die EMS haben auch immer Decknamen und das heißt auch, deine Oma hat dann den Decknamen von ihr auch erfahren in den Akten.

00:25:10: Die Akten sind übrigens erhalten zu großen Teilen durch Zivilgarage.

00:25:15: Also gerade in Erfurt war auch, das war die erste Stasizentrale, also die besetzt wurde von Bürgern.

00:25:23: Und zwar hatte man dort neunundachtzig dann irgendwann Rauch aufsteigen sehen, über der Zentrale schwarzen Rauch.

00:25:27: Man wusste aber, dass die eigentlich mit Gas heizen und die Leute haben richtig angenommen, dass hier Akten verbrannt werden.

00:25:34: Und dann sind am nächsten Tag die Frauen, ich kriege Gänsehaut, wenn ich es erzähle, weil die Frauen so haben sich zusammengeschlossen, so einfach von Haus zu Haus, noch mehr Frauen, noch mehr Frauen, ey wir gehen da hin und sind da reingelaufen, ohne Waffe, ohne Ding und haben einfach gesagt, okay wir bleiben jetzt hier.

00:25:50: Und haben sich vor die Akten schränke gesetzt und halt geschaut, dass diese Vernichtung der Akten gestoppt wird und war überhaupt die erste Geheimdienstzentrale.

00:26:01: Also ich weiß jetzt nicht, ob es weltweit war, aber die erste Geheimdienstzentrale in der Neuzeit, die auf diese Art besetzt wurde.

00:26:07: Einfach reingelaufen, hingesetzt, gesagt, okay, ihr verbrennt hier nichts mehr.

00:26:11: Krass.

00:26:12: Wirklich Wahnsinn.

00:26:13: Geile Frau.

00:26:14: Freutliche

00:26:14: Revolution.

00:26:15: Super, super Frau.

00:26:16: Die Decknahmen, die die EMs damals von der Stasi bekommen haben, wir haben sowas wie EM-Orto, EM-Kaiser.

00:26:22: Und das waren auch die beiden, die brauchen uns jetzt nicht merken, die sind austauschbar, die Namen.

00:26:26: Aber das waren die, die gemeldet haben, das drei Bewohner des Dorfes.

00:26:30: über illegale Waffen verfügen.

00:26:32: Und es waren eben Gerhard Rigg, Werner Iffert und ein dritter Herbert Malsch.

00:26:36: Und die sind alle drei, auch als, eben entweder, also zwei davon sind als Werkzeugmacher tätig.

00:26:42: Und das ist ziemlich auffällig.

00:26:45: Natürlich war das damals schon auch, es gab so diese Berufszweige und da hatten mehrere Leute dieselben Berufe.

00:26:50: Aber Werkzeugmacher und Messerschmiede und so was, das sind Leute, die fähig sind, zumindest Munition selbst herzustellen, Waffen auch selbst herzustellen.

00:26:58: Das ist auch heute noch so.

00:26:59: Also ich kenne Leute, die sich mit Metallen auskennen.

00:27:03: Das sind die Menschen, die solche Dinge auch bauen können.

00:27:06: Und ein Ministerium, wie die Staatssicherheit, die weiß sowas.

00:27:09: Also die wissen, okay, das sind potentiell gefährliche Leute.

00:27:13: Ich habe auch selber Freunde, die das können.

00:27:15: Das ist kein großes Ding, eine Waffe zu bauen eigentlich.

00:27:20: Vielleicht auch so.

00:27:20: Was reden wir jetzt von Bauen, auch von Gießen

00:27:22: und so?

00:27:23: Also was ist eine Schusswaffe im Grunde?

00:27:25: Es ist eine Kanone.

00:27:27: Eine komplexere Kanone hat Magazinen und so.

00:27:29: Aber so was ist kein großes Ding.

00:27:31: Wenn du Munition hast und ein Rohr kannst du schießen halt so.

00:27:35: Das haben wir sogar im Knast schon drüber gesprochen.

00:27:38: Das ist kein großes Ding.

00:27:39: Und Rilke hatte bereits drei Jahre Haft wegen Wilddieberei und drei Monate Haft für Körperverletzungen abgesessen.

00:27:48: Klingt, als ob das verkehrt rum.

00:27:50: Nee, tatsächlich hatte ein Typ ein halb Tod geschlagen.

00:27:53: Dafür gab es drei Monate.

00:27:54: Dafür gab es drei Monate und für die Wilderei hat er drei Jahre bekommen.

00:27:58: Warum?

00:28:00: Also ich habe das auch erst irgendwie dieses Jahr gelernt, weil wir in den Fall hatten, in Rheinland-Pfalz, wo ein wilderer zwei Polizisten erschossen.

00:28:07: Ah ja, das war richtig schlimm.

00:28:08: Übler Fall werden wir hier bestimmt irgendwann mal besprechen.

00:28:13: Und da ist mir das auch erst wieder aufgefallen.

00:28:14: Wer sind potenziell gefährliche Menschen?

00:28:17: Menschen, die über Waffen verfügen.

00:28:18: Jetzt werden einige sagen, hey, ich bin Jäger und ich hab ein Waffenbesitzkarte, ich bin aber nicht gefährlich.

00:28:23: Tatsächlich bist du aber schon mal bewaffnet und in Deutschland sind's die wenigsten.

00:28:26: Es gibt zwar mehr Waffen als wir denken hier im Umlauf, aber tatsächlich, potenziell gefährlich, ist jemand, der eine Schusswaffe hat.

00:28:34: Trotzdem finde ich das irgendwie im komischen Verhältnis da.

00:28:37: Drei Monate und drei Jahre.

00:28:38: Es

00:28:38: total passt in dieses, vor allem weil eigentlich wilder Reise und Richtiger ... Also das war in der DDR, ich habe da auch darüber nachgelesen, im ländlichen Gebieten jetzt nicht selten halt, weil einfach immer eine Mangelwirtschaft herrschte und ein Hirsch ist ein Hirsch.

00:28:52: Allein dafür hat er schon Grund, die DDR zu hassen.

00:28:55: Er war im Gefängnis gesessen.

00:28:57: Es gab aber noch einen weiteren Grund und zwar hat er meinen seinen Vater, der ein wohlhabender Nazi gewesen ist, später enteignet.

00:29:03: Also die DDR hat er da... Im Gegensatz zur Bundesrepublik, in der die vormaligen Nazis sehr viele von denen sehr reich sein durften und bis heute sind, hat die DDR da ja schon einen Rundumschlag gemacht und jeder der Nazi-Kohle hatte, wurde enteignet.

00:29:18: Darüber ob Rilke jetzt ein guter Typ ist, mit seinem Nazi-Vater, darüber lässt sich streiten.

00:29:23: Wie alt ist der denn ungefähr jetzt?

00:29:24: Zu der Zeit zu Mitte dreißig.

00:29:26: Also Anfang zu Anfang dreißig.

00:29:28: Genau, die sind alle so Anfang bis Ende dreißig.

00:29:31: Und auch allein der Spruch, da ist mir wieder der Spruch eingefallen, hier gibt es nur Deutsche.

00:29:35: Hier gibt es keine Kommunisten.

00:29:38: Es wirft kein gutes Bild auf ihnen so ein bisschen.

00:29:41: Und ob der ein guter Typ ist, darüber lässt sich sicher streiten.

00:29:43: Für mich klingt da wie ein Riesenarschloch.

00:29:45: Aber das ist nicht strafbar.

00:29:47: Du kannst ein Arschloch sein, wenn du das möchtest.

00:29:50: Ja, das wäre was.

00:29:51: Das sind aber deine DDR-Wurzeln, die jetzt hier sprechen.

00:29:54: Da muss man ganz klar sagen.

00:29:55: Du hast

00:29:55: übrigens Honiger noch gar nicht erwähnt, was ich bis jetzt ein bisschen merkwürdig finde, dass wir so lange darüber

00:29:59: reden

00:30:00: können.

00:30:01: Wir werden Ulbrichts werden wir ein bisschen.

00:30:03: Okay, weil also für mich ist das so... Das Gesicht der DDR.

00:30:07: Ja, ich habe den auch gestern gesehen auf den Follows.

00:30:10: Wir haben jetzt also bei Rick so diese evtl.

00:30:12: staatsfeindliche Gesinnung, allein schon familiär bedingt, zusammen mit der Fähigkeit im Umgang mit Waffen.

00:30:18: Und das macht ihn tatsächlich auch objektiv gefährlich für die DDR, für die SED, sagen wir so.

00:30:24: Gleichzeitig, was die auch gemacht haben, war natürlich, die DDR hat junge Männer an den Waffen ausgebildet.

00:30:30: Eigentlich hat damals fast jeder so eine paramilitärische Ausbildung bekommen.

00:30:34: von den Jungs zumindest.

00:30:35: Und das ist so ein bisschen ein Zwiespalt.

00:30:38: Du bildest die Leute an der Waffe aus, aber gleichzeitig ist dann, oh, jetzt sind sie gefährlich.

00:30:42: Und aufgrund dieser potentiellen Gefährlichkeit gab es in Rilks Umfeld eine ganze Horde an Spitzeln.

00:30:48: Und eine davon war die IM Brigitte.

00:30:51: Sie gibt schon seit über zehn Jahren damals Informationen an das Ministerium für Staatssicherheit weiter und Wie gesagt, die überwachten die Bevölkerung massiv.

00:31:00: Ich habe gestern in diesem Museum, habe ich was gesehen, was ich auch nicht wusste.

00:31:03: Geruchsproben hat man von diesen Leuten gesammelt, also von jemandem wie Rilke und Irfa und so, da gab es Geruchsproben.

00:31:09: Die hat man dann, da hast du dann so ein Tüchlein, Unterhose von dem irgendwo geklaut, hast die in ein Gläschen und hast die als Geruchsprobe aufgehoben, damit du im Fall des Falles... Mit

00:31:18: Hunden oder was?

00:31:19: Yes,

00:31:19: bei einer Haustüchsuchung diese Geruchsprobe.

00:31:23: Das ist eine Kontaktperson von diesem Iffat.

00:31:25: Wir gehen in die Wohnung.

00:31:26: Der ist nicht hier.

00:31:26: Wir lassen den Hund durch.

00:31:27: War der hier?

00:31:28: Oder ist er vielleicht in irgendwo in dem Dachboden?

00:31:30: Wie krass eigentlich der Gedanke.

00:31:32: Wir brauchen Geruchsproben von unseren Bürgern.

00:31:35: Also die Stasi war was ganz Besonderes.

00:31:37: Und es ging ja auch darum, man hatte immer Angst vor irgendwelchen Aufständen.

00:31:40: So wie es in der Czechoslovakie dann mal passiert ist.

00:31:42: Und um so was vorher zu planen und zu sehen, wenn die Situation eskaliert, dafür hat man diese Unmengel an Informationen gesammelt.

00:31:50: Das wäre heute... So was, wie wir heute unsere Handys in der Tasche haben, die hätten sich die Finger geleckt, das wär ja großartig.

00:31:56: Traurig.

00:31:58: Die Methoden der Stasi reichten auch von Gewalt und Einschichterungen wirklich über so was wie Berufsverbote, das dann auch ein Sänger, nicht mehr singen darf und so, bis hin zum Rufmord, dass man wirklich Leute vernichtet hat, mit irgendwelchen Informationen über Homosexualität zum Beispiel.

00:32:14: Oder auch Erpresst.

00:32:15: Erpresst, ganz klar.

00:32:18: Möglich ist es alles durch Leute wie diese EM-Brigitte und sie zum Beispiel ist verheiratet mit einem Werkzeugmacher Kollegen von Gerhard Rilke.

00:32:26: Und um an Informationen über den zu bekommen, bespitzt sie ihren eigenen Mann.

00:32:32: Und ...

00:32:33: Das ist so krass.

00:32:34: Stell dir das mal vor dein eigener Mann.

00:32:36: Und sie fragt ihn aus.

00:32:37: und jetzt ist es so ein lustiger Aktenvermerk, weil es erweist sich als schwierig, verwertbare Informationen von ihm zu bekommen.

00:32:44: und hier dieser Vermerk in der Stasiakte.

00:32:46: Ihr Mann ist sehr stur und nach einem Streit spricht er wochenlang nicht mit ihr.

00:32:52: Wow, ich heiße das auch hier Menschen.

00:32:53: Aber der weiß schon warum.

00:32:55: Meinst

00:32:56: du?

00:32:56: Offensichtlich, also sie...

00:32:57: Aber nach einem Streit, dann nicht mehr mit jemandem zu reden, würde man ja eigentlich eher nicht mehr mit jemandem reden, wenn der versucht zu bohren.

00:33:03: Aber in dem Fall hat er recht, der hätte sich trennen müssen.

00:33:06: Und jetzt gibt er das.

00:33:06: Jetzt bekommt sie einen Typ von dem Leutnant, der für sie zuständig ist.

00:33:10: Also es gab dann immer ein Stasi-Offizier, die für sie... Die EMS zuständig

00:33:14: war.

00:33:15: Und weißt du wie die Stasi des Sammeln von Informationen genannt hat?

00:33:19: Abschöpfen.

00:33:24: Also ihr Abschöpfer hat eine Idee.

00:33:27: Und zwar sollen sie ihren Ehemann bei der Ehre packen.

00:33:30: Und sie soll sagen, sie glaubt ihm nicht, dass er eine eigene Waffe besorgen kann.

00:33:35: Er ist ja nur ein Pralhans und ein Schwetzer.

00:33:39: Und um zu zeigen, wie dumm Männer sind.

00:33:43: Klappt es auch noch.

00:33:45: Er zeigt dir am nächsten Tag eine Waffe.

00:33:48: Und kurz darauf bekommt es Ehepaar Besuch von der Volkspolizei.

00:33:54: Sag mal, was ist denn eigentlich in dem Moment ihr Wunsch gewesen?

00:33:59: Weil also sie macht ja quasi möglich, dass er irgendwann dann auch verhaftet wird und so.

00:34:04: Hat sie jetzt initiiert.

00:34:05: Und das bringt ja auch sie eigentlich jetzt in Verruf so ein bisschen, oder?

00:34:11: Also

00:34:12: was jetzt passiert ist, Hausdichsuchung.

00:34:15: Bei der Hausdichsuchung die Waffe gefunden.

00:34:17: Was ist jetzt?

00:34:19: Er wollte ja davor nicht reden.

00:34:20: Sie hat ja angedeutet so ein bisschen.

00:34:22: Da können wir nicht.

00:34:24: Und während dieser Hausdichsuchung stellt man ihm die EM-Brigitte vor.

00:34:31: Oh Gott.

00:34:31: Und man macht es auf.

00:34:33: Und der EM-Mann kann es erst nicht fassen.

00:34:35: Hat aber jetzt das Problem.

00:34:36: Erstens ist meine Frau eine offizielle Mitarbeiter.

00:34:39: Zweitens haben die jetzt auch noch was gefunden.

00:34:41: Was wird er jetzt?

00:34:42: EM.

00:34:43: Bam.

00:34:43: Und so haben sie überbrückt diese Distanz von der Frau zu dem Werkzeugmacherkollegen, den sie ja eigentlich haben wollen.

00:34:49: Sie mussten ja über den Mann.

00:34:51: Aber so da sitzt jemand da und überlegt sich vorher, wie machen wir das?

00:34:54: Aber

00:34:55: die Ehe kannst du doch dann auch nicht weiterfühlen.

00:34:57: Ist das nicht krass?

00:34:58: Ja gut, aber wie ist es bei deiner Oma?

00:35:01: Was der eine macht zu, der andere macht den.

00:35:03: Weiß ich nicht.

00:35:04: Ich weiß es nicht.

00:35:06: Also für mich

00:35:07: könnte ich noch nicht mal mit so einem Menschen zusammen sein, wenn ich wüsste, der spioniert oder die spioniert ihre Freundin aus.

00:35:12: Aber mich selber ist sorry.

00:35:14: Eigentlich ist es dir.

00:35:15: Es ist auch tatsächlich, weil du ja sagst, die Stasi, die kennt niemand mehr so heute, bla bla, weil wir alt sind.

00:35:21: Aber es ist tatsächlich bis heute so, ich bin ja oft dann noch im Osten, dass dann auch ganz oft... Wenn so ein bestimmter Schlag Mensch kommt und man auf den trifft und über den geredet wird, dass dann bis heute gesagt wird, der wär bestimmt früher mal bei der Stasi oder der wär bestimmt ein Stasi-Mitglied geworden oder so.

00:35:36: Von daher ist es so für mich immer noch so nah dran, weil das einfach auch immer noch so

00:35:41: ist

00:35:41: es nicht weg bis heute.

00:35:42: Aber du

00:35:42: kommst auch ein bisschen aus einer super sieben Familie.

00:35:44: Also, ne?

00:35:45: So du hast auch ein bisschen die anderen, was machen die, die selber Stasi-Spitze waren?

00:35:50: Die zeigen auf andere oder reden nicht drüber.

00:35:53: Also, ne?

00:35:53: Und ich glaub... dass viele, also vielleicht auch jetzt hier in Thüringen los ist, ist es vielleicht mehr Thema auch als Rheinland-Pfalz.

00:35:59: Also in Rheinland-Pfalz habe ich noch nie Stasi-Spitze zu irgendwem sagen gehört.

00:36:02: Warum

00:36:02: auch?

00:36:02: Warum auch, ja.

00:36:03: Und mir ist es aber wichtig und deswegen habe ich die Folge auch gemacht, weil es so unglaublich wichtig ist, mir, ich möchte den Menschen nochmal zeigen, wie krass der Unterschied ist zwischen einem wirklichen Überwachungsstaat und dem, was die Leute heute hier sagen, ich darf ja gar nicht mehr meine Meinung sagen, da kriege ich ja gleich einen Insta-Shadowband.

00:36:22: Fuck man, damals bist du in Knast gewandert.

00:36:25: Und wir werden, also nur erst ein kleines Beispiel für wie du in Knast gewandert bist und was der Unterschied ist zwischen.

00:36:31: ich kann meine Meinung ja hier gar nicht sagen, das sagt mal deine Meinung, während die Leute übrigens gerade ihre Meinung sagen.

00:36:36: In dem Gefängnis, in dem ich gestern war, war ein junger Mann, der hat auf ein Bild hier von Honika, hat er mit ein bisschen Pflaumenmus so über das Gesicht gestrichen und hat gesagt, Mensch, du solltest doch auch was zu essen kriegen.

00:36:49: Fris und hat ihm das so über das Gesicht geschmiert.

00:36:51: Elf Monate.

00:36:53: Elf Monate Knast.

00:36:55: Wahnsinn.

00:36:56: Und hier, die Leute beschweren sich, wenn sie ein Twitter-Band kriegen oder hier.

00:37:00: Du weißt, was ich meine.

00:37:00: Naja,

00:37:01: und ich finde, das hast du jetzt noch nicht erwähnt, aber man muss sich auch nur mal vorstellen, was es mit der ganzen Gesellschaft macht, wenn du nicht weißt, ob du eigentlich deinen besten Freund vertrauen kannst oder ob der vielleicht auch ein Mitglied ist.

00:37:11: Also, weil das kenn ich auch aus meiner Familie, dass da trotzdem alle super vorsichtig waren, wenn sie irgendwas geäußert.

00:37:17: haben, also jetzt meine Eltern untereinander nicht, aber trotzdem, wo du wusstest, du kannst jetzt nicht einfach, und das ist ja dauerhaft in deinen Kopf, das ist ja wirklich, das frisst sich in deinen Kopf, dass du eigentlich niemandem wirklich vertrauen kannst bei verschiedenen Sachen.

00:37:29: Kannst

00:37:30: du nicht?

00:37:30: Solche Wörter schon wie Abschöpfer oder so was, immer wenn es sowas gibt, das ist fürchterlich.

00:37:35: Insgesamt meldet er jetzt, also der Ehemann von Ihrem Brigitte, thirty-fünf illegale Waffenbesitzer vor Ort in Steinbach.

00:37:43: Das ist ja das, das ist dann... Ich kenne das ja aus Drogen.

00:37:46: Also ich kenne es von Drogen.

00:37:47: Wir haben es in Deutschland immer noch unter dem Paragraf ein und dreißig, dass du einfach über jeden Aussagen kannst und das dann nicht gut für dich ist am Ende.

00:37:55: Aha.

00:37:56: Der Paragraf ein und dreißig.

00:37:56: Das gibt es auch nur bei Drogen.

00:37:58: Gibt es nirgendwo anders?

00:37:58: Das heißt,

00:38:00: deine Strafe wird milder, je mehr du ausprobierst.

00:38:02: Je mehr du verrätst.

00:38:05: Das kannst du.

00:38:06: Und

00:38:06: das gilt nur bei Drogen.

00:38:07: Auf diese Art gilt es nur bei Drogen.

00:38:08: Natürlich gibt es noch den Kronzeugen und so.

00:38:10: Und es gab auch früher, das hat man eigentlich damals für die ARF gemacht.

00:38:14: Es ging damals sogar beim Mord, dass du da rauskommen konntest, wenn du eben gegen die anderen ausgesagt hast.

00:38:20: Und der Überbleibsel davon ist der Paragraph einundreißig.

00:38:22: So wirklich, dass du tauscht, du tauscht Informationen gegen Zeit.

00:38:26: Und das macht es natürlich gefährlich, weil kann ich mir auch ein paar Sachen ausdenken halt.

00:38:30: Stimmt.

00:38:32: So weit denke ich immer gerne.

00:38:33: Jetzt

00:38:33: hat ja hier diese thirty-fünf Waffenbesitzer eben verraten.

00:38:35: Das klingt super viel, aber wir müssen auch sehen, die meisten dieser Waffen stammten aus dem alten Waffenlager, das die Wehr macht.

00:38:41: Am Ende des Zweiten Weltkriegs in Steinbach angelegt hat und von dem die Bürger halt irgendwann wussten und sich dann halt das Zeug rausgeklaut haben.

00:38:47: Und es lag halt dann zu Hause.

00:38:48: Und da viele Jäger waren und auch ein bisschen gewildert haben oder so, hatten halt Leute Waffen zu Hause.

00:38:52: Deswegen ist es jetzt nicht so, dass da thirty-fünf Terroristen waren.

00:38:55: Und aus diesem Kreis der thirty-fünf Waffenbesitze rekrutiert der Geheimdienst jetzt nach und nach weitere Informaten.

00:39:00: Jeder, der nur Munition zu Hause hat, wird für die Wahrgestellt, spitzeln oder sitzen.

00:39:04: Willst du jemanden verraten oder wirst du ein Knast?

00:39:06: Und wen sollten die jetzt wiederum verraten?

00:39:07: Na

00:39:07: alles, was wir wissen.

00:39:08: Jetzt hast du wieder ein IM.

00:39:09: Wer redet denn schlecht über uns?

00:39:11: So, wer sagt denn hinter vorgehaltener Hand vielleicht, ne?

00:39:13: Und es reicht die Idee von Waffennahnen und Wilderen, reicht nicht.

00:39:17: Darum geht es gar nicht.

00:39:18: Es geht um dieses Öffentlich gegen die SCD-Schimpfen.

00:39:21: Oder was heißt Öffentlich?

00:39:22: Halböffentlich auf dem Stammtisch oder in der Trinkerrunde zu Hause.

00:39:26: Und jetzt haben wir einige IEMs, die melden das Rilg.

00:39:29: und seine Freunde Ilfert und Maltsch, also diese drei Jungs, nach Robert Kennedy's Ermordung, das war ja der Bruder von John F. Kennedy, die ist dann in der Art und Sechze erschossen worden.

00:39:39: Und die hätten davon laut gesprochen, dass es daher den Falschen erwischt hätte.

00:39:43: Aha, sondern wer wäre der Richtige gewesen?

00:39:45: Walter

00:39:45: Ulbricht.

00:39:46: Der, der lauft doch hier immer, der lauft doch immer hier im Wald rum.

00:39:49: Wenn er kurd, oder wenn der auf kurd ist, da hätten wir leichter den Richtigen erwischen können.

00:39:55: Jackpot.

00:39:56: Weißt du?

00:39:57: So eine Äußerung.

00:39:58: Und das kann ich mir so gut vorstellen.

00:39:59: Du bist besoffen, du siehst so, du hast wieder einen falschen erwischt.

00:40:02: Sondern das...

00:40:03: Ja, vor allem besoffen.

00:40:04: Besoffen

00:40:05: rutscht dir das halt raus.

00:40:06: Und jetzt hast du aber von Stasi Seite aus, hast du jetzt Menschen, die eine Waffe besitzen, antikommunistische Parolen brüllen, die könnten auch Terroristen sein.

00:40:16: Und die Kriminalakte Steinbock, so hieß die Akte.

00:40:19: wegen der Waffen, wird der operative Vorgang Steinbock.

00:40:23: Und plötzlich ist die Polizei raus.

00:40:25: Also es gab ja in der DDR auch eine normale Polizei.

00:40:28: Das war die Fobro, die Volkspolizei.

00:40:30: Die dürfte jetzt gar nicht mehr mitmachen.

00:40:33: Der Fall gehört nun komplett dem Geheimdienst.

00:40:35: Und die Stasi schlägt ihr Quartier in Steinbach auf und täglich werden neue Leute zum Verhörigen.

00:40:40: Und bam, haus sich suchen, ein Verhörerialdes.

00:40:43: Und man spricht zu der Zeit davon, dass es in Steinbach nun mehr Geheimagenten gibt als Anwohner.

00:40:49: Also so

00:40:50: waren die unterwegs.

00:40:52: Und wir haben ja bei der Stasi dann schon Leute, auch die diesen großen revolutionären Eifer hatten, den Klassenfeind zu vernichten.

00:41:02: Und es folgen ja natürlich jetzt die ersten Verhaftungen.

00:41:04: Und man muss wissen, dass die Stasi in der DDR über siebzehn eigene Untersuchungsgefängnisse verfügte.

00:41:10: Das hatte nichts mit der Polizei zu tun.

00:41:13: Das war nur für politische Gefangene.

00:41:16: Und eins davon war auch Erfurt.

00:41:17: Erfurt war ein Gefängnis, das sie sich geteilt haben mit der normalen Polizei.

00:41:20: Aber Keller Erdgeschoss war normale Gefangene, also Diebstahl, Raub, Körperverletzung.

00:41:26: Erste und zweiter Stock war Stasi.

00:41:29: Ich möchte an der Stelle nur noch mal kurz sagen, politische Gefangene, das klingt so groß, ne?

00:41:33: Das sind einfach Leute, die wie heute sagen würden, Scheiß, Merkel ist eine Muddi oder ich finde, ich finde, keine Ahnung, Scholz macht irgendwie einen Kackjob.

00:41:44: waren schon politisch.

00:41:45: Ich

00:41:45: will jetzt ganz kurz, ich muss es dir rausholen.

00:41:47: Ich habe es mir leider nur in einem anderen rausgeschrieben, was, was, nämlich was Vergesetzes waren gegen was Vergesetze.

00:41:52: Ja, weil

00:41:53: ich finde nur, das Wort klingt so groß.

00:41:54: Ja, genau.

00:41:55: Du hast vollkommen recht.

00:41:56: Ist ja nicht.

00:41:56: Du hast vollkommen recht.

00:41:58: Das sind Leute, die ihre Meinung gesagt haben und irgendwie eine andere Haltung hatten als die Führung.

00:42:01: Du hast

00:42:02: vollkommen recht, dieses Unterscheiden zwischen... Politischen Heftlingen.

00:42:06: Wo ist der Unterschied?

00:42:07: Ich kannte Gangster, die haben Amnesty International angeschrieben.

00:42:11: Ich selber habe meinen dreizehn Jahren, ich fand es viel zu viel, aber ich habe objektiv Gesetze gebrochen, die man halt nachvollziehen kann.

00:42:19: Die Gesetze, gegen die die Stasiinsassen hier verstoßen haben, ist zum Beispiel Spionage, antidemokratische Hetze, illegaler Grenzübertritt.

00:42:31: Und Raudi Thun war zum Beispiel, wenn du gemeinschaftlich mit anderen westliche Musik gehört hast.

00:42:36: Also du saß mit anderen in deinem Raum und hast Rock'n'Roll gehört.

00:42:39: Raudi Thun, dafür ging's in Knast, wenn es schlecht lief.

00:42:43: Ein Brief nach Westdeutschland, wenn du dich verliebt hast in den Frauen aus Westdeutschland, du hast den Brief geschrieben.

00:42:48: Feindliche Verbindungsaufnahme.

00:42:50: Ab in Knast.

00:42:52: Wahrscheinlich dürftest du nicht mal die Westfernsehen gucken, das war wahrscheinlich...

00:42:55: Nein, ganz klar.

00:42:56: Das war feindlicher Rundfunk irgendwie.

00:42:58: Das war ein Verstoß gegen das Rundfunkgesetz.

00:42:59: Und das haben alle heimlich gemacht.

00:43:00: Haben die Leute heimlich gemacht.

00:43:02: Vor allem im Grenzgebiet.

00:43:03: Du bist ja auch noch in Thüringen, du kennst ja dann auch noch Leute drüben und so.

00:43:06: Und das hat man extra auch noch mal... Das müssen wir verstehen.

00:43:10: Dieser Unterschied.

00:43:10: Gut, dass du darauf eingegangen bist.

00:43:12: Zwischen politischen Gefangene und Kriminellen.

00:43:17: Ein paar Stasi-Gefängnis-Fun-Facts.

00:43:21: Ich war

00:43:22: da drin gesessen, ja nicht gesessen, ich war jetzt da drin zwei Tage, hab mir das angeschaut, alles und so.

00:43:26: Und es ist alle fünf bis acht Minuten.

00:43:30: Wird die Zelle durch den Türspion kontrolliert.

00:43:32: Das ist einfach

00:43:33: viel Arbeit.

00:43:33: Alle

00:43:34: fünf Minuten haben wir sonst nichts zu tun.

00:43:36: Alle fünf Minuten.

00:43:37: Und ich hab mir dieses Spion angeschaut, es gab dann immer einen großen Spion, der ist so laut, wenn du ihn so schieb, dann konntest du reinschauen.

00:43:43: Es gab so ein ganz kleines Ding mit Leder.

00:43:45: Wenn du zur Seite schieben konntest, dann hat man dich nicht gehört.

00:43:49: Der Boden war mit einem Teppich ausgelegt, der die Schritte geschluckt hat von den Bärmen.

00:43:53: Wenn die nicht wollten, wusstest du nicht, wann die reingucken.

00:43:55: Krass.

00:43:56: Ich habe aber gute Nachrichten.

00:43:57: Nachts ist es nur alle zwanzig Minuten passiert.

00:44:00: Und pass auf, alle zwanzig Minuten wird das Licht angemacht.

00:44:04: Die ganze Nacht durch.

00:44:06: Und du durftest in der einzig erlaubten Schlafposition liegen.

00:44:09: Alles andere hat dazu geführt.

00:44:11: Klar, klar, mein Schlüssel, hey, bla, bla, bla.

00:44:13: Krass, das kann man noch gar nicht beeinflussen nachts.

00:44:15: Weißt

00:44:15: du, wie die ist?

00:44:16: Auf dem Rücken liegend Hände auf der Decke.

00:44:18: Ah ja, als ob man im Grab liegt.

00:44:20: Ja,

00:44:20: aber die muss man an den Händen sehen.

00:44:21: und ja.

00:44:23: Crazy.

00:44:23: Schlaf so mal.

00:44:24: Schlaf so mal.

00:44:24: Für den Rest der Zeit, die du dort verbringst.

00:44:26: Das war der Unterschied.

00:44:27: Das ist stasihaft.

00:44:29: Nachdem man Rick jetzt intensiv bearbeitet, gesteht er den Waffenbesitz.

00:44:33: Und es werden sehr große Mengen an Waffen und Munition gefunden.

00:44:35: Muss man auch sagen.

00:44:36: Aber eigentlich war das nicht wirklich außergewöhnlich.

00:44:39: Wir haben zwanzig Jahre vorher einen Weltkrieg gehabt, oder?

00:44:43: Die Stasi ist sich aber sicher und steigert sich rein, dass sie es jetzt mit einer Terrorzelle zu tun haben.

00:44:48: Und die nächsten vier Jahre werden er und Ilffeld in Untersuchungshaft sitzen.

00:44:52: Unter diesen Bedingungen.

00:44:56: Ich möchte euch jetzt nochmal genau erklären, was es bedeutet.

00:44:59: Stasihaft.

00:45:00: Die Anfangsjahre der Stasi waren von Brutalität überschattet.

00:45:02: Also, neunundvierzig bis Ding, da hat man diese sowjetischen Methoden unter Stalin übernommen.

00:45:07: Man hat Leute halt totgeschlagen und so weiter.

00:45:09: Das wurde dann irgendwann... beendet und war dann sogar verpönt.

00:45:13: Also Stasi-Offiziere, die so gearbeitet haben, mussten damit rechnen, dass sie von den eigenen Genossen verpiffen wurden und dass sie in Schande sogar entlassen wurden teilweise.

00:45:22: Stattdessen hat man den System erarbeitet, das auf folgenden Säulen fußt.

00:45:27: Zuerst mal hat man mit dieser preußischen Akkurateske gearbeitet und als nächstes mit wissenschaftlicher Akribie.

00:45:33: Also man wurde ein technokratischer Behördenapparat.

00:45:37: Man analysiert zuerst, wer in der Gruppe welche Rolle hat.

00:45:41: Dazu führt man Charakterstudien durch.

00:45:43: Wir haben ja schon gehört.

00:45:44: Rilg, körperlich fit, gesellig, trinkt, schießt gerne.

00:45:49: Da haben wir ihn ja.

00:45:50: Den gefährlichen Konterrevolutionär.

00:45:52: Und nachdem man alles, was man an Informationen zusammengefasst hat, hat man ein Bild sicherstellt und dann beginnen die Verhöre.

00:46:00: Und es gab damals eine Methode, die basierte auf den folgenden Faktoren.

00:46:04: Ordnung, Wort, Zeit, Wiederholung und Hoffnung.

00:46:10: Und ich erkläre jetzt, was die einzelnen Wörter bedeuten.

00:46:12: Und es war immer derselbe Ablauf.

00:46:14: Also Stasi-Verhörer in Stasi-Gefängnissen, noch mal über vier Jahre hinweg, haben sie das mit diesen Leuten gemacht.

00:46:20: Nachts nicht schlafen lassen.

00:46:21: Die hatten Dunkelzellen, wo du einfach kein Licht hattest.

00:46:25: Da gab es nur nachts eine Decke.

00:46:26: Das Ding war schallgedämpft, in der war ich sogar drin gestanden.

00:46:29: Wir werden zu der Folge noch mal Bilder davon veröffentlichen.

00:46:31: In die Zelle konntest du bis zu vierzehn Tage eingesperrt sein.

00:46:35: Komplette Deprivation.

00:46:38: Deprivation

00:46:39: heißt immer Mangelentzug von, also sensorische Deprivation heißt keine Sinne.

00:46:44: Der Ton da drin ist wie in einem guten Tonstudio gewesen.

00:46:47: Okay, also sehr schallöseliert.

00:46:49: Du hörst nur Geräusche, die du selber machst.

00:46:51: Und die klingen komisch.

00:46:53: Deine eigene Stimme klingt so, wie wenn du sie übers... Also es ist... Und es liegt von außen.

00:46:58: Da war so ein kleiner Fensterstreifen, Glasbausteine und den konntest du von außen zu machen.

00:47:02: Da warst du einfach im Dunkeln.

00:47:04: Gehard Rigg und Werner Ilfert werden täglich verhört.

00:47:07: Immer den sozialistischen Arbeitszeitregeln folgend.

00:47:10: Das heißt, täglich von acht uhr dreißig bis zwölf uhr dreißig.

00:47:14: Dann Mittagspause und dann bis siebzehn Uhr.

00:47:16: Oh,

00:47:16: schuldige bitte.

00:47:17: Tritt

00:47:18: mich nur.

00:47:18: Macht nichts.

00:47:18: Dann fühle ich wenigstens was.

00:47:20: Und dann ist es vorbei.

00:47:22: Immer wieder, immer wieder, immer wieder.

00:47:24: Aber

00:47:24: was erhoffen die sich denn über diese Jahre?

00:47:26: Pass auf.

00:47:27: Der erste Faktor.

00:47:27: Das ist dieser Faktor Ordnung.

00:47:30: Warum macht man es?

00:47:31: Der Verhörende macht seinen Job.

00:47:34: Dadurch entsteht der Eindruck für den Verhörten, wenn du das lange genug machst, dass mein Job ist, verhört zu werden.

00:47:42: Und gemeinsam, jetzt haben wir wieder, jetzt sind wir gemeinsam.

00:47:45: Du machst deine Arbeit, ich mache meine Arbeit, das sagst du mir auch ständig.

00:47:48: Und gemeinsam erarbeiten wir Ergebnisse, die kommen am Ende in die Akte.

00:47:53: Das ist Ordnung.

00:47:54: Das sagt mir einfach Ordnung.

00:47:56: Daran muss ich mich festhalten, selbst wenn ich nicht mitmachen will.

00:47:58: Ich sitze hier diese vier Stunden, danach habe ich Pause, dann sitze ich wieder vier Stunden.

00:48:01: Ich weiß, morgen geht es weiter.

00:48:03: Der nächste Faktor ist das Wort.

00:48:05: Bei Stasiverhören ist das wording unglaublich wichtig.

00:48:09: Manche Worte werden ständig wiederholt.

00:48:12: Und diese Wiederholungen machen den Inhalt wahr.

00:48:15: Pass auf, ich gebe dir ein Beispiel.

00:48:17: Das Wort feindlich.

00:48:19: Man hat Rilke immer wieder gesagt feindlich.

00:48:23: Also die Frage, zusammen mit der Suggestivtechnik, die wir aus den anderen Verhörern schon kennen, man fragt jetzt nicht, stehst du der sozialistischen Gesellschaftsordnung feindlich gegenüber?

00:48:32: Sondern man sagt, was hat dich bewogen, der sozialistischen Gesellschaftsordnung feindlich gegenüberzustehen?

00:48:39: Ah,

00:48:40: so eine Suggestiefrage.

00:48:41: Suggestiefrage, aber das Wort feindlich.

00:48:43: Das ist jetzt Suggestiefragen, machen wir heute auch noch.

00:48:45: Aber dieses Wort feindlich, weil ich muss jetzt so aufpassen.

00:48:49: An der Stelle muss ich erstmal merken, hier wird vorausgesetzt, ich bin feindlich.

00:48:53: Dann muss ich aber jetzt könnte ich nämlich sagen, ich bin ja gar nicht feindlich.

00:48:56: Jetzt habe ich aber eigentlich den Köder geschluckt, weil das, was sie wollten, war das Wort feindlich.

00:49:01: Nur einer der fünfundreißig Verhörten in diesem Fall besteht darauf, das Wort feindlich gegen das Wort kritisch zu ersetzen.

00:49:09: Weißt du, ich war gar nicht feindlich.

00:49:11: Ich bin euch kritisch gegenüber.

00:49:12: Ich bin euch nicht feindlich, weil feindlich heißt, ich bin bereit, eine Waffe zu nehmen.

00:49:15: Aber ich kann noch einfach sagen, aber feindlich bin ich gar nicht.

00:49:18: Genau.

00:49:18: Dann sagst du, ja okay, dann geht's los.

00:49:20: Wieso habe ich dann den Köder geschluckt?

00:49:23: Ja, weil das setzt voraus, dass das Wort feindlich, dass ich mit dem Wort feindlich überhaupt spielen will.

00:49:28: Die Fragen... Warum sind sie feindlich?

00:49:31: Gut, und da kann ich sagen, ich bin nicht feindlich.

00:49:32: Okay, was sind sie?

00:49:33: Kritisch.

00:49:33: Gut, dann bist du der einzige von

00:49:34: den von den von den von den von den von den von den

00:49:35: von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von

00:49:38: den von

00:49:38: den von den von den von

00:49:38: den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von

00:49:41: den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den von den.

00:49:51: Du musst am nächsten Tag wieder darauf bestehen.

00:49:54: Also noch mal, ich bin nicht feindlich, aber sie haben ja Waffen und so.

00:49:56: Du musst jedes Mal dich da durchreden.

00:49:58: Das Wort feindlich kommt in der Akte immer und immer wieder zurück.

00:50:02: Vier Jahre lang.

00:50:03: Und wahrscheinlich denkt man dann irgendwann,

00:50:05: ich hänge mich jetzt nicht mal dem Scheiß Wort auf.

00:50:07: Ich wollte keinen Attentat machen.

00:50:08: Können wir uns darauf einigen, das vier Jahre lang zu machen, ist der nächste Faktor der Faktor Zeit.

00:50:13: Die

00:50:13: budden die jemals irgendwie auch Verurteilt oder so?

00:50:15: Pass auf.

00:50:16: Jetzt kommt erst mal der Faktor Zeit.

00:50:19: Wir haben nämlich Unendlichzeit.

00:50:21: Die Stasi hat Unendlichzeit.

00:50:23: Du als Mensch aber nicht, weil du sitzt in einem Untersuchungsgefängnis und draußen rinnt dir die Lebenszeit ja durch die Hände.

00:50:29: Deine Kinder werden größer, deine Partnerschaft geht kaputt.

00:50:31: Der Apparat Stasi, dem kann die Zeit nichts anhaben.

00:50:35: Dem ist egal, er macht seinen Job heute, morgen, übermorgen, in einem Jahr, zwei

00:50:40: Jahr, drei Jahr,

00:50:41: unbegrenzt.

00:50:42: Du bist ein politischer Gefangener, unbegrenzt.

00:50:43: So lange wie wir arbeiten, arbeiten wir.

00:50:46: Du sprichst also mit einer Maschine.

00:50:48: Und von draußen gibt es jetzt... Natürlich, heute hier würde das ein bisschen anders sein, weil du die sozialen Medien hast, über die könnte man Druck machen.

00:50:55: Gab's ja nicht.

00:50:55: Es gab keinen öffentlichen Druck.

00:50:57: Es gab einen Anwalt, es gab ein paar Angehörige, die versuchten, was zu machen.

00:51:01: Aber die Stasi als Untersuchungsorgan, die wird nicht halt.

00:51:05: Und das ist dieser Faktor Zeit.

00:51:07: Jetzt stell dir vor, du wirst hunderte Male verhört, tausende Male.

00:51:10: Man stellt dir immer wieder dieselbe Frage.

00:51:12: Du bist saumüde, weil du nicht geschlafen hast.

00:51:14: Du bist ein bisschen unternett, weil das Essen immer so... Und jedes Mal, wenn du auch nur ein bisschen abweichst von deiner vorherigen Version, liest man dir die Aussage vor, die am nächsten an der Version ist, die die Stasi haben will.

00:51:27: Weil irgendwann hast du mal irgendwie nicht aufgepasst.

00:51:31: Und dann gehst du wieder mit der Aussage.

00:51:32: Jetzt liest er dir einfach wie eine Maschine die Aussage vor.

00:51:35: Krass, das ist die Psychoterror.

00:51:37: Das Matsch dir den Kopf platt.

00:51:41: Und... Jetzt stell dir vor, du sitzt dann manchmal nachts da und du bist frustriert und wütend darüber, wie du behandelt wirst.

00:51:46: und am nächsten Tag wieder rufst du dann sag und sagst, ey, ich hab das so nicht gemeint, ja?

00:51:51: Oder ist, reicht mir jetzt, ich bin nicht feindlich, ich find's nur, was, ich bin nur euch kritisch gegenübergestellt, das musst du jetzt hinkriegen.

00:51:57: Und jetzt liest er dir aber, das protokolliert er jetzt?

00:52:00: Als alles, was du sagst, protokolliert er jetzt?

00:52:03: Und geht aber am nächsten Tag wieder zurück zu der Worst Case, die du gesagt hast.

00:52:08: Wahnsinn.

00:52:10: Am Ende?

00:52:11: Am Ende nimmst du immer die Version, die am schlechtesten für den Angeklagten ist.

00:52:15: Und diese Art von Wiederholung ist sehr, sehr übel.

00:52:16: Die verändert auf Dauer die Realität.

00:52:18: Wir haben darüber schon geredet.

00:52:19: Stell dir vor, dein erstes Auto war rot.

00:52:21: Aber was ist so der Wunsch dahinter?

00:52:23: Weil man könnte ja auch einfach am Ende das Ausschreiben, was man gerne hören möchte, ob der das jetzt sagt oder nicht.

00:52:28: Das machen sie nicht.

00:52:30: Das machen sie nicht.

00:52:31: Aber geht es darum, die einfach sozusagen gehirnwäschemäßig kleinzukriegen?

00:52:35: Erklären

00:52:35: wir die DDR, man.

00:52:36: Keine Ahnung, warum.

00:52:38: Man nicht einfach, im Dritten Reich hat man gesagt, so und so, und hier ist ein Hammer.

00:52:42: Mit dem Hammer schlage ich ihn auf den Kopf.

00:52:44: Wie sieht's aus?

00:52:45: So, ne?

00:52:45: Aber du hatt nicht.

00:52:47: Du hattest, ach, das... Hast du,

00:52:48: weil das ja eine demokratische...

00:52:49: Keine Ahnung, was das ist.

00:52:51: Es ist so, es ist wie so ein wahnsinniger... Es ist wie so ein... Es ist wie eine Maschine.

00:52:56: Es ist wie eine Maschine.

00:52:59: Und zu guter Letzt kommt die letzte Säule auf dem Stasiverhörer Fusen.

00:53:04: Und das ist die... Fantastische Eigenschaft, die wir Menschen besitzen, nämlich unsere Fähigkeit zu hoffen.

00:53:11: Ich meine, ich habe das selbst erlebt.

00:53:12: Ich habe sogar in meinem eigenen Prozess, ich wusste, es wird schlecht oder sehr schlecht sogar ausgehen.

00:53:16: Und trotzdem hast du manchmal so einen ganz kleinen Teil, der irgendwie hofft, vielleicht wird es noch nicht so schlimm.

00:53:21: Vielleicht passiert ja noch irgendwas.

00:53:24: Aber ich verstehe immer nicht, was ist der Sinn davon?

00:53:26: Dass am Ende nach vier Jahren, was will man haben nach vier Jahren zum Beispiel?

00:53:29: Du

00:53:29: willst eine Version haben, die genauso ist wie die, die du sagst.

00:53:33: Dass ich sage, ja, ich bin feindlich.

00:53:35: Ja, ich habe gesagt, ich würde auf ihn schießen.

00:53:37: Ja, ich habe sogar mit einem darüber geredet, der ein guter Schütze ist.

00:53:41: Ja, also, wenn es einer von uns machen würde, dann würde es der Ilfert machen.

00:53:44: Das ist der beste Schütze von uns.

00:53:46: Ja, ich wäre eigentlich im Stande.

00:53:48: Weil irgendwann sagst du, ja, während sie im Stande so eine Waffe zu bekommen.

00:53:51: In irgendeiner Version sagst du, ich könnte so ein Ding selber bauen.

00:53:55: Und am Schluss hast du alles, was du hören wirst.

00:53:57: Die nehmen sich quasi wie so kleine Snippets immer aus jedem Tag raus.

00:54:00: Und dann einfach im Protokollform.

00:54:02: Siebenundzwanzigsten Dritten hat er ja gesagt, dass er die Waffe besongen kann.

00:54:05: Im Protokoll von

00:54:05: vierundzwanzigsten.

00:54:06: Also es gibt so lange, bis sie die Aussage haben.

00:54:07: So

00:54:08: lange, bis sie die Aussage haben.

00:54:09: Die alle, die genau so ist, wie sie sich's vorstellen.

00:54:12: Sie sagen ja selber nicht sagen, dass sie's wollen, sondern...

00:54:14: Also die treten an und kennen die Wahrheit und dann geht's darum, dass ich das dann sage, was die als Wahrheit empfinden.

00:54:19: Und

00:54:19: dann ist das die Realität.

00:54:22: Im Fall der Steinbacher Untersuchungsgeheftlinge spielt die Stasi mit den Hoffnungen der Insassen und so.

00:54:26: Wir haben eine Hoffnung auf dem abgetrenntes Verfahren.

00:54:28: Wer ist der Haupttäter?

00:54:29: Willst du mit dem verurteilt werden?

00:54:30: Das hören wir auch immer wieder.

00:54:31: Nein, willst du nicht.

00:54:32: Du bist eigentlich weg von dem, der der Böseste ist.

00:54:36: Oder die Hoffnung auf eine geringere Strafe.

00:54:38: Eine komplette Haftverschonung bei einer sehr guten Aussage.

00:54:41: Und es gab damals auch eine Chance, dass was auch die wenigsten Leute wissen.

00:54:44: Ich wusste selber nicht, den Gefangenen kauf.

00:54:47: Also die BRD hat aus der DDR Leute gekauft.

00:54:51: Ständig.

00:54:51: Das war ein fester Teil, das war ein Wirtschaftsteil, ein Wirtschaftszweig der DDR.

00:54:56: Menschen an die Bundesrepublik Deutschland zu verkaufen.

00:54:58: Aber die mussten dann auch schon nutzen haben.

00:55:01: Die hatten jetzt nicht Uzz aus Kleinesies mich nicht gekauft.

00:55:04: Aber

00:55:04: haben die tatsächlich?

00:55:05: Echt?

00:55:05: Ja.

00:55:06: Die haben Leute freigekauft.

00:55:08: Es gab ein festes Kontingent an Leuten, die gekauft wurden.

00:55:10: Ich glaube Unterhändler, das war denen ihr Job.

00:55:12: Es mussten halt politische sein.

00:55:14: Und politisch ist ja auch schon zu sagen, ich hab Rock'n'Roll gehört.

00:55:17: Die Stasi weiß natürlich von all diesen Hoffnungen und lenkt damit wieder die Aussage der Hoffenden.

00:55:23: Jetzt haben wir so diese Fleißarbeit der Stasi-Offiziere, wir haben den illegalen Waffenbesitz, wir haben die Wilderei und nach hunderten Verhören haben wir zwanzig tausend Seitenprotokoll.

00:55:33: Weil wenn du jeden Tag verhörst.

00:55:36: Und jetzt kommt eine Anklage wegen Terror und Vorbereitung zum Mord dazu.

00:55:41: Einfach so aus dem absolut eigentlich nichts.

00:55:45: Vorbereitung.

00:55:46: Vorbereitung für Mord.

00:55:47: Wir haben in der Kneipe gesagt, wir schießen ihn.

00:55:49: Der gehört erschossen

00:55:50: ist

00:55:51: ja noch weniger.

00:55:53: Man hat sich auf fünf tatverdächtige eingeschossen.

00:55:55: Diese werden jetzt nach Berlin verlegt.

00:55:56: Die sind jetzt auch noch ganz weg.

00:55:58: Dort findet die Hauptverhandlung statt.

00:56:00: Und angeblich hat die Stein-Beratero-Gruppe vorgehabt, den Vorsitzenden des Staatsrats Walter Ulbricht bei einem seiner Wahlspaziergänge in der Nähe des Kurs zu erschießen.

00:56:09: Damit, und jetzt kommt's, wollte man den Umsturz in der DDR einleiten.

00:56:14: Wenn es sein müsste, hätte man den Widerstand der Kommunisten mit Waffengewalt eingedämmt.

00:56:19: Weil man hatte ja.

00:56:19: Man hatte ja Waffen.

00:56:20: Und bestimmt hat dann auch noch einer gedacht, warum haben wir die?

00:56:22: Ja, wenn es dann so weit gekommen wäre, hätte ich halt so Waffe gegriffen.

00:56:25: Aha.

00:56:26: Protokoll.

00:56:27: Was es jetzt gibt, ne?

00:56:29: Weil im Grunde... Ist das Wahnsinn.

00:56:31: Im Grunde wirst du den Steinbacher in den Putsch einleiten zu wollen.

00:56:34: Das ist es.

00:56:34: Plötzlich wollen die putschen.

00:56:36: Und... Dass keiner dieser Männer irgendwelche politischen Ambitionen hat oder sonst irgendwie Verbindungen zu Politikern oder zum Geheimdienst oder so, spielt keine Rolle.

00:56:45: Man ignoriert sogar, dass Walter Ulbricht schon seit Jahren dort gar nicht mehr auf Kur gewesen ist.

00:56:51: Und die Verschwörer haben auch nie versucht, in Erfahrung zu bringen, wann er in dem Waldstück laufen geht.

00:56:57: Egal.

00:56:59: Wir haben ja wahrscheinlich noch nicht mal irgendeine Ambition gehabt, sondern das war einfach nur besoffen, da rumsitzen und so und wer hat den größten Schwanz so nach dem Motto?

00:57:08: Ich finde, das ist ein großes Problem, nicht zu wissen, wo der ist, den man erschießen will, wenn du eigentlich dir eine Mordanklage vorgeworfen wird.

00:57:15: Es ist ja auch eigentlich mehr ein Halbsatz.

00:57:17: Hast du mitbekommen, die haben den erschossen, mal über den erschießen sollen.

00:57:21: Das ist ja noch nicht mal irgendwas.

00:57:23: Wobei man natürlich sagen muss, in den Protokollen wird es dann schon ein Handfest.

00:57:27: Die kriegen dich da hin.

00:57:28: Wie hätten sie es denn gemacht?

00:57:29: Ja, ja, na klar.

00:57:30: Aber das ist ja trotzdem

00:57:30: aus einem Lebenssatz entstanden.

00:57:33: Mit solchen Details hält sich aber der erste Strafsynat des obersten Gerichts der DDR gar nicht auf.

00:57:38: Die Sitzung findet jetzt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

00:57:40: Es werden keine Zeugen gehört und als Beweismittel dienen einzig und allein die von der Stasi erarbeiteten Protokolle.

00:57:46: Das ist so geil.

00:57:47: Wir hatten davor keine.

00:57:48: Jetzt haben wir Beweise.

00:57:50: Wie gesagt, ich beschwärme mich manchmal bebeirische Gerichte, aber das ist schon noch mal was ganz anderes.

00:57:53: Und jetzt gibt ihr die Urteile.

00:57:55: Rick bekommt lebenslänglich.

00:57:56: Ivert bekommt fünfzehn Jahre.

00:57:58: Die anderen alle mindestens zehn.

00:58:01: Gestern saß ich noch zu Hause, weißt du, bevor I.M.

00:58:03: Brigitte ihren Mann herausgefordert hat, dass er ein Schwätzer ist.

00:58:08: Und

00:58:09: der zusehende Stasi-Hauptmann Stein, damit wir auch einen Namen von den Schweinen hier haben, schreibt in seinem Protokoll Verhandlung ohne besondere Vorkommnisse entsprechend der konkreten Festlegung des Genossenminister.

00:58:21: Das heißt, die Urteile standen von vornherein fest, kompletter Schauprozess und man ist sich nicht mal zu schade, das auch noch zu protokollieren.

00:58:30: Also, was kennzeichnet ein Unrechtstaat mehr, als dass man so weit draußen schwimmt, dass man die Scheiße, die man macht, auch noch aufschreibt?

00:58:40: So, ja, wir haben entsprechend der Vorgaben des Ministers.

00:58:43: Ja, aber das war ja gewollt.

00:58:46: Aber du musstest dich doch schämen, das aufzuschreiben.

00:58:49: Die Verurteilten kommen in den Sonderstrafvollzug nach Bautzen.

00:58:53: Und wenn Leute jetzt hier zuhören, die tatsächlich das noch miterlebt haben, die wissen alle, dass gerade Bautzen.

00:58:57: Ich glaube, Bautzen II war es eine richtige Scheißauswahl.

00:59:01: Ich frag mich auch gerade, was muss man für ein Mensch sein, um auch jemand zu sein, der so ein Verhörer ist?

00:59:06: Jeden Tag.

00:59:06: Du kommst wie ein... Als würdest du... Du bist der schlimmste aller Schlimmen.

00:59:11: Du bist ein Typ in einem grauen Anzug, du setzt dich hin, du nimmst dein Heft und du zermalmst einen Menschen.

00:59:19: Ja, und das muss einem ja bewusst sein.

00:59:20: Klar ist es den bewusst.

00:59:22: Klar ist es den bewusst.

00:59:23: Es ist unfassbar merkwürdig.

00:59:25: Und dann noch diese Atmosphäre in diesem Gefängnis.

00:59:28: Es gab so ein paar kleine Feinheiten, wo ich mir gedacht habe, okay, da sind ein paar richtig übele Typen auch.

00:59:33: Aber der Großteil der Leute kann kein gemeingefährlicher, brutaler Sadist sein.

00:59:37: Sondern das sind ja auch wieder nur diese fünf Prozent aller Menschen.

00:59:39: Natürlich versammeln sich dort mehr, dann lass es zehn oder fünfzehn Prozent sein, aber die meisten machen einfach ihren Job.

00:59:45: Und... In Bautzen werden die Zählen alle akustisch und visuell überwacht.

00:59:50: Also alles, was du dort machst, jeder Furz, den du lässt, haben die aufgezeichnet.

00:59:54: Gefangenen wurden über lange Zeit isoliert, durften nur mit einem evangelischen Seelsauger reden und der war Rathemal.

01:00:01: Ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi.

01:00:03: Einer dieser fünf Leute stirbt in der Haftzeit.

01:00:07: Die Überlebenden ziehen bis auf einen nach der Haft zurück nach Steinbach.

01:00:11: Auch wieder krass, wo wir schon drüber geredet haben.

01:00:13: Jetzt gehst du zurück, wo dich dein Nachbar verraten hat.

01:00:16: Sie erleben das Ende der DDR und werden in einem neuen Prozess Mitte der neunziger Jahre freigesprochen und rehabiliziert.

01:00:23: Dafür gibt es dann zehn Euro pro Tag.

01:00:25: Den hat man in DDR-haft.

01:00:28: Und das ist der Satz dafür.

01:00:28: Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob es Euro sind.

01:00:30: Wahrscheinlich waren es Mark.

01:00:32: Ja, ganz

01:00:32: sicher.

01:00:34: Keiner der beteiligten Stasi-Offiziere wird jemals für seine vergehenen

01:00:38: Rechenschaften.

01:00:38: Das finde ich auch so krass.

01:00:39: Die

01:00:39: Verjährungsfristen waren überschritten.

01:00:41: sind alle davon gekommen, alle diese Scheißtypen sind davon gekommen.

01:00:44: Großer Schanfleck war aber wahrscheinlich Teil des Deals irgendwie damals.

01:00:48: Wir haben hier einen superschregen Fall, weil die Angeklagten waren ja schuldig der Tat, weswegen sie verhaftet wurden, wegen was eigentlich gegen sie ermittelt wurde, also Waffenbesitz, Wilderei.

01:01:00: Und ja, dann hat man einfach irgendwie aus normalen Leuten Terroristen gemacht.

01:01:09: Einfach so, weil dieser Staat so paranoid war.

01:01:12: und dieser Sicherheitsdienst Diese ganzen Informationen, diese Informationszahlung, das sollte uns alles Sorgen machen für das, was hier eigentlich möglich ist.

01:01:21: Falls wir jemals in so eine Situation wieder rutschen, sind wir alle am Arsch, weil über jeden von uns gibt es unendliche Informationen.

01:01:28: Und wenn ich diese Informationen selektiere, dann finde ich über jeden einzelnen Menschen, der hier zuhört, etwas, das ihnen zu einem potentiell für meinen neuen Terrorstaat gefährlichen Menschen machen könnte.

01:01:41: Für jeden.

01:01:41: Jeder von uns hat irgendwann mal irgendwas gegoogelt, irgendwas gesagt, irgendwas getan.

01:01:45: Wir haben gerade im Fall mit den toten Polizisten in Rheinland-Pfalz haben wir was erlebt, wo Leute Kommentare geliked haben, die kritisch sind, die auch nicht unbedingt schön sind.

01:01:56: Einer der Kommentare war, sowas, wieso gibt es jetzt eine Mahnwache?

01:02:01: Wo ist die Mahnwache für Urijalo?

01:02:03: So, wieso sollen wir den Mördern von bla bla bla jetzt eine Mannwache geben?

01:02:08: Wieso soll ich mich verbeugen, wenn einer von denen stirbt so?

01:02:12: Zweifelhafter Post, muss man so nicht schreiben, stehe ich auch nicht dahinter.

01:02:15: Leute, die den geliked haben, haben jetzt Haustüchsuchungen.

01:02:19: Also das ist zwar noch weit weg von dem, was ich gerade beschrieben habe, aber es ist so.

01:02:22: der, es ist zeigt, was eigentlich möglich wäre.

01:02:27: Und nochmal, ich stehe nicht hinter diesem Kommentar.

01:02:29: Nee,

01:02:29: nee, schon klar.

01:02:30: Es ist nur,

01:02:31: wo ist die Grenze?

01:02:32: Wie schnell habe ich ein Like vielleicht an der Stelle auch mal gemacht, wo ich jetzt nicht hundert Prozent dahinter stehe?

01:02:36: Klar, weil es vielleicht einmal dein bester Kumpel ist und du einfach alles durch likesen und zu lesen.

01:02:39: Du, ich

01:02:39: like von manchen Leuten sogar Sachen, wo ich die Videos nicht anschaue, weil ich die Leute

01:02:42: halt mag.

01:02:42: Ich auch nicht

01:02:42: auch.

01:02:43: So, jetzt stell dir vor, der hätte da gesagt, so ja, also ich weiß nicht, ein Tod oder ein Polizist weniger, ich sitze auch und stört mich auch nicht.

01:02:49: Hast du ein Haus gesucht?

01:02:51: Zwei Wochen spiel.

01:02:51: Also das ist schon... Da muss man schon... Puh!

01:02:54: Noch mal bei all dem, wie ich auf unsere Gerichte schimpfe, ich glaube nicht, dass ich in der DDR lange auf Rhein-Pust gewesen wäre.

01:02:59: Also

01:02:59: es sieht nicht

01:03:00: gut für mich aus.

01:03:02: Und man muss schon sagen, man läuft vieles falsch, aber wir sind einen weiten Weg gekommen.

01:03:05: Und wir müssen weitergehen, wir müssen täglich besser werden.

01:03:08: Das muss der Anspruch sein, vor allem für Juristen, die hier zuhören.

01:03:10: Ich weiß, die hören die Losten zu.

01:03:12: Wir sind heute schon besser als gestern, dass uns morgen noch besser sein als heute.

01:03:16: Das muss das Credo sein, nachdem wir gehen.

01:03:19: Und es ist ja auch einfach ein Regime, das mutwillig Unschuldige einfach eingesperrt hat und die zu Schuldigen gemacht hat.

01:03:26: Mit einer Gesetzesendung.

01:03:27: Du bist nicht mehr unschuldig, wenn ich jetzt sage, braune Haare sind verboten,

01:03:30: bist du nicht mehr.

01:03:31: Aber von dem, was wir von natürliches Unrecht empfinden

01:03:35: haben,

01:03:36: einfach crazy.

01:03:37: Crazy.

01:03:37: Auf jeden Fall mache ich nach dem Stasi-Muster ab jetzt meine Podcasts.

01:03:41: Was heißt das?

01:03:42: Ordnung, Wortzeit, Wiederholung, Hoffnung.

01:03:43: So schreibe ich das ab jetzt alles.

01:03:45: Himmel, bitte nicht.

01:03:47: Dann lass ich dich lieber mal an Barbie Beinen riechen.

01:03:49: Aber das mache ich jetzt... Ich glaube, das mache ich lieber nicht.

01:03:52: Ich stelle mal vor, wie das aussieht.

01:03:55: Ist dein Ruf direkt ruiniert.

01:03:57: Noch ruiniert?

01:03:58: Wir gehen heute Abend aufs Podcastpreis.

01:04:00: Ich weiß nicht, was ich anziehen

01:04:01: soll.

01:04:02: Ich auch nicht.

01:04:03: Ich ziehe ein Kleid.

01:04:04: Ich denke, ich gehe in den Kleid.

01:04:05: Schon klar.

01:04:06: Kannst du noch meinen Bein riechen.

01:04:10: Also, jeder, hey!

01:04:12: Jeder, der es durch diese DDR-Folge geschafft hat, vielen Dank.

01:04:17: Ja, shout out.

01:04:18: Ich sei jetzt Jungpioniere in meinem Terror-Regime.

01:04:22: Sport?

01:04:24: Jetzt hätte ich Heil fast gesagt.

01:04:26: Was war's denn?

01:04:26: Sport frei!

01:04:27: Frei!

01:04:28: Richtig.

01:04:28: Frei,

01:04:29: das war bestimmt Heil eigentlich.

01:04:30: Oh Gott, ist das schrecklich.

01:04:31: Was?

01:04:32: Sport,

01:04:33: das macht doch

01:04:33: gar keinen Sinn.

01:04:34: Sport frei?

01:04:36: Ich weiß nicht, warum man das sagt.

01:04:37: Es ist auch gruselig, dass ich das nicht weiß.

01:04:39: Ist ein alter deutscher Sportler groß.

01:04:41: Mit diesem Gruß, wir begrüßen uns mit einem Sport und dann rufen alle frei, wurde in der DDR auch der schulische Sportunterricht und jede Form von Training begonnen, aber auch Wettkämpfe unterschiedlicher Sportarten.

01:04:54: Ich würde vorsichtig sein mit alten deutschen Ausrufen.

01:04:56: Ich weiß gar nicht, ob das, was wir heute gesagt haben, überhaupt noch mal aufwärts nicht.

01:05:00: Bei mir war das aber bis zum Abi so, ne?

01:05:02: Also, obwohl da schon... geführte vierhundert Jahre, da keine DDR mehr war.

01:05:07: Oh Mann.

01:05:08: Also Leute, bespitzt auch nicht euren Nachbarn.

01:05:10: Kehrt für eure eigenen Haustür und lasst die anderen Leute in Frieden und versucht niemanden irgendwie... Das ist so hinterfotzig, weißt du dann über?

01:05:19: Dann abschöpfen, lasst euch nicht abschöpfen.

01:05:22: Also, das war's.

01:05:24: Akte Steinburg, Einblick in die DDR, in die Stasihaft und nächste Woche geht's... Oh, nächste Woche bist du dran.

01:05:29: Nächste Woche bin ich dran.

01:05:30: Ich bin schon ganz aufgeregt.

01:05:31: Ich bin schon ganz aufgeregt.

01:05:32: Das wird bestimmt eine tolle Folge.

01:05:33: Ich bin immer sehr aufgeregt, wenn ich dran bin.

01:05:36: Ich verspreche, dass ich nicht Augenroll und Ding.

01:05:39: Ja?

01:05:40: Auch nicht mehr ins Plänen.

01:05:41: Geil.

01:05:42: Vielleicht schlafe ich kurz ein.

01:05:45: Tschüssi.

01:05:45: Tschüssi.

01:05:47: Das war Pollux.

01:05:48: Unschuldig im Knast.

01:05:50: Der True Criminal Podcast mit Maximilian Pollux und Claudia Kamid.

01:05:54: Mehr Infos zum Maximilian Pollux findet ihr auf Sichtweisen.eva.

01:05:58: Pollux, Unschuldig im Knast, ein Podcast von Podimo produziert von auf die Orte.

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